Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408590
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DAS LEBEN DONATELLUS. 
aber, da es ihrer so viele waren, nicht sehr beachtete. Das 
Werk jedoch, das ihm einen Namen machte und seine Bedeu- 
tung offenbarte, war eine Ve rkün di gu ng von Sandstein, welche 
in Sta. Croce zu Florenz auf dem Altar der Capelle Cavalcanti 
angebracht ward. Er versah dieselbe mit Grotesque-Ornamenten, 
mit einem reichen Sockel von schön geschwungenen Profilen 
und mit einem Lünettenabschluss, dem er sechs festonhaltende 
Putten beifügte. Dieselben umarmen sich untereinander, als 
wollten sie, aus Furcht vor der Höhe, sich schützen. Aber be- 
sonders in der Figur der Jungfrau entfaltete er viel Geist und 
Kunst; erschrocken über des Engels plötzliches Erscheinen, ver- 
neigt sie sich in schüchterner Sanftmttth zu einer ehrerbietigen 
Huldigung, indem sie sich mit der schönsten Anmuth nach dem 
sie begrüssenden Engel umwentiet, so dass man in ihrem Ant- 
litz jene Demuth und Dankbarkeit wahrnimmt, welche dem 
Geber einer unerwarteten Gabe geschuldet werden, und umso- 
mehr, je grösser diese ist. Ausserdem zeigte Donato in der Ge- 
wandung der Madonna und des Engels einen schönen Wurf 
und meisterhafte Falten; und in der Hervorstichung der nack- 
ten Theile der Figuren bewies er, wie er die Schönheit der 
Antike, die seit so vielen Jahren verborgen geblieben, wieder 
zu entdecken bemüht war; er legte eine so grosse Gewandtheit 
und Künstlerschaft in diesem Werke an den Tag, dass man 
von der Zeichenkunst und dem guten Geschmack, vom Meissel 
und der technischen Fertigkeit überhaupt nicht mehr verlangen 
kann. rlmn derselben Kirche, im Querschiff, neben den Fresken 
idkevsurfladdeo Gaddi, ist ein Cruciiix von ihm, das er mit ausset- 
ordentlichem Fleiss ausführte. Als er es vollendet hatte, zeigte 
er es, im Glauben, etwas ganz Ungewöhnliches vollbracht zu 
haben, seinem guten Freund Filippo di Ser Bruncllesco, um 
dessen Ansicht darüber zu hören. Philipp, der nach den Worten 
Donato's etwas weit Besseres zu sehen hoffte, lächelte ein 
wenig, als er es sah. Als Donato das bemerkte, bat er ihn 
bei seiner Freundschaft, ihm seine Meinung zu sagen, worauf 
Filippo, der sehr freimüthig war, ihm zintwortete: es schiene 
ihm, er hätte einen Bauer an's Kreuz geheftet und nicht einen 
dem Christus ähnlichen Leichnam, welcher sehr zart gebaut 
und in allen Theilen der vollkommenste Mensch gewesen sei,
        

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