Volltext: Donatello, seine Zeit und Schule

DAS 
EBEN DONATELLOS. 
Statue von S. Johannes Bapt. von Marmor, die Donatello für 
ihn. ausführte, für immer im Hause bleiben sollte, bei Strafe 
von schweren Güterverlusten, die dasjenige Familienglied treffen 
sollten, Welches die Statue verschenken, verkaufen oder ver- 
pfänden würdeß  
Der Freundschaft des Ruberto Martelli verdankte Dona- 
tello ohne Zweifel auch manche andere Aufträge und Em- 
pfehlungen, sowie vielleicht auch dic Gunst C0sim0's de Me- 
dici, die ihm so vielfach zu Statten kam. Denn Ruberto Mar- 
telli war einer der intimsten Freunde und treuesten Partei- 
genossen des Cosimo de Medici. 9 
Wenn es endlich begründet ist, dass schon in seiner Kind- 
heit, von welchem Mitglied der Familie Martelli es auch sei, 
für seine Erziehung Sorge getragen wurde, so liegt es auch 
nahe, zu vermuthen, dass dieser Umstand es war, der den ersten 
Keim seiner Liebe und Begeisterung für die Kunst des Alter- 
thums in ihn legte. Denn gerade die Zeit seiner Jugend war 
es, wo die schon im  Jahrhundert durch einen Dante, Pe- 
trarca und Boccaccio wiedererweckte Liebe zur Literatur und 
Kunst 
des 
Alterthulns 
ZU I'll 
erstenmal 
heHen 
Flammen 
auf- 
schlug und alle gebildeten Classen ergriff. Diese Zeit war es, 
wo alle die Häupter des älteren Humanismus, wie ein Li0- 
nardo Bruno (geb. 1'569), ein Poggio Bracciolini, Gianozzo Ma- 
netti, Francesco Filelfo und ein Carlo Marsuppini cmporwuch- 
sen und hervorzutreten begannen. 
Zu derselben Zeit erfuhr die Horentinische Universität eine 
grosse Vermehrung der Lehrstühle, und Emanuel Qhrysoloras 
beganmdie berühmtesten Humanisten der Folgezeit die grie- 
chische Sprache zu lehren. 
Die Vornehmen und Reichen, wie ein Palla Slrozzi, ein 
Nicolao Nicoli, ein Cosimo depMgdici, nehmen nicht blos pas- 
siven Aiitheil an der Bewegung, sondern sie stellen sich an 
deren Spitze als Gönner und als Sammler von Bibliotheken und 
Museen. Ihren Söhnen geben sie die ersten Gelehrten zu Er- 
ziehern, sie selbst besuchen mit Eifer die Vorlesungen der 
Universität. Selbst Frauen und Mädchen wurden von der all- 
gemeinen Begeisterung für die Werke des Alterthums hingerissen 
und wussten oft classisches Latein zu reden und zu schreiben.
	        
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