Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408527
BEMAL' 
"E SCULl 
"T UREN D ONATELLUS. 
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stimmte er im Jahre 1429 auch grosse Summen zum Bau der 
florentinischen Universität, wodurch er sich einen ehren- 
vollen Platz in der Reihe der Förderer des Humanismus ver- 
schaffte. 
Betrachten wir endlich seine Porträtbtiste, die uns Dona- 
tello's Meisterhand schuf. Dieselbe ist etwas über Lebensgrösse 
und vollständig bemalt. Sie hat den bräunlichen Ton, den auch 
manche Bilder dieser Zeit, wie des Paolo Uccello, Giuliano 
d'Arrigo Pesello etc. haben; dasselbe mag durch Nachdunke- 
lung der Farben, sowie die Mischung des dabei verwendeten 
Oeles entstanden sein. Haupthaar und Bart sind rasirt. Die 
Ohren stehen ab. Das Gesicht ist scharf, kühn, edel geschnit- 
ten; jeder Zug ist charakteristisch. In den klaren, ernsten 
Adleraugen liegt durchdringender Verstand und hoher, morali- 
scher Adel; aristokratische Delicatesse und Zurückhaltung 
scheint sich in einer Linie auszusprechen, welche längs der 
scharfen Nase zum Auge emporführt. Den echt Horentinischen 
Mund mit vortretender Unterlippe umspielen Sarkasmus, Schärfe 
und Milde zugleich. Der sehnige Hals verräth eine der hage- 
ren, eisernen Naturen, wie sie Florenz damals so vielfach er- 
zeugte. Die Schulter ist von einem rothen Mantel umgeben. 
Die Büste ist mit einer unübertrefflichen Bestimmtheit, Schärfe 
der Auffassung, Feinheit und Energie modellirt. Etwas Härte 
allerdings ist daran zu bemerken, wie sie weniger in den Stein- 
sculpturen des Donatello hervortritt, die meist eine freiere, 
grossartigere Behandlung und eine fleischähnlichere Weichheit 
zeigen. Donatello war eben vor Allem Meister des Meissels, 
und erst, wenn durch diesen der Feuergeist des Meisters mit 
dem widerstrebenden spröden Stein in Zusammenstoss gerieth, 
stand ihm seine ganze Inspiration zu Gebote. Auch die Büste 
des Bernardo da Uzzano, Bruders des Ersteren, stellte Dona- 
tello in Terracotta her; doch ist letztere in jüngster Zeit ver- 
äussert worden, während sich die erstere noch in dem alten 
Palast der Uzzani befindet. Letzterer gelangte durch Erbschaft 
von Alessandra Bardi, Nicc0lo's Mutter, an diesen und später, 
nach dem Aussterben der Uzzani, durch Verschwägerung an 
die Capponi. Jetzt befindet er sich im Besitze des Grafen Luigi 
Capponi. "O
        

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