Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407050
DAS LEBEN DONATELLUS. 
Theil authentisch bezeugte Episoden und Anecdoten aus seinem 
Leben erwiesen, auf die wir am Schluss dieses Abrisses näher 
zu sprechen kommen werden. Ebenso werden wir im Laufe 
der Erzählung den beständigen Wechsel seines Aufenthaltes 
kennen lernen. 7 
Obgleich nun, wie wir sahen, sein Vater ein entschiedener 
Anhänger der Albizzi'schen Partei war, so scheint Donatello 
doch, wenn anders Vasari's und seiner Nachredner Angaben 
nicht gänzlich aus der Luft gegrilfen sind, gerade durch An- 
hänger der Gegenpartei in seiner ersten Jugend mächtig geför- 
dert und unterstützt, ja geradezu erzogen worden zu sein. Dies 
lässt fast vermuthen, dass Donatello's Vater die ihm wider- 
fahrene grausame Unbill nicht lange überlebt habe, und dass 
die Urheber seiner Bedrängnisse an dem Sohne gut machen 
wollten, was sie an dem Vater verbrochen. Im Hause Martelli 
soll Donatello nach Vasari und Anderen seit seiner Kindheit er- 
zogen worden sein. Wenn aber Vasari als den Gönner des 
Knaben Ruberto Martelli, den Freund Cosimds, bezeichnet, 
so irrt er schwer, indem jener erst 1408 zur Welt kam, also 
22 Jahre jünger als Donatello war. Vielleicht verwechselte Vasari 
den Ruberto des 15. Jahrhunderts mit einem seiner Vorfahren 
gleichen Namens, der zwischen den Jahren 1343 und 1373 
siebenmal Mitglied des Magistrats der Priori delle arti (Zunft- 
vorsteher) war. Aber da dieser vor seinem 30. Jahre schwerlich 
zu einem solchen Amte berufen wurde, so hätte er bei Dona- 
tello's Geburt 73, während seines erziehungsfäihigen Knaben- 
alters etwa 85 Jahre alt sein müssen. Wahr bleibt es immer- 
hin, dass der jüngere Ruberto Martelli dem Donatello später- 
hin eine ganz besondere Gunst erwies, wie am deutlichsten die 
grosse Anzahl von Sculpturen beweist, die noch heutigen Tages 
im Palast der Familie Martelli zu sehen sind. Wenn auch die 
eine oder die andere dieser Sculpturen von Donatello der 
Familie Martelli geschenkt worden sein mag, so wird auch 
dieses Geschenk eine Erwiderung gefunden haben, oder jeden- 
falls durch vorhergegangene Wohlthaten reichlich veranlasst 
gewesen sein. Als ein Beweis der Werthschäitzung, welche Dona- 
tello's Werke auch bei dem jüngeren Ruberto Martelli genossen, 
ist uns auch eine Verfügung desselben bekannt, wonach eine
        

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