Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408472
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BEMALTE SCULPTUREN DONATELLOS. 
soll denn all dies Sterben P" Es ist zunächst verwandt mit der 
Prometheus. Erlösung verheissend allerdings sieht er nicht seh 
aus. Obwohl dieser tiefe, tragische Gehalt klar wie die Sonn 
aus dem Kunstwerk hervorleuchtet, so mag doch Donatello sich bt 
dessen Darstellung mehr von künstlerischer Intuition und An 
schauung, als von bestimmt im Bewusstsein erfassten moderne; 
Zweifeln und Titanengedanken haben leiten lassen. 
Brunellescds Christus dagegen hält sich strenger in de: 
Schranken deriherkömmlichen Christus-Idee und regt kein wei 
teres Problem an. Sein Körper ist schlank und zeigt gleichfall 
ein treffliches Studium der Anatomie. Eine Fülle von weichen 
edlen Locken, oben von der Dornenkrone zusammengefasst, um 
rahmt das Sanftmuth athmende Gesicht, das aber nicht entfern 
die Energie wie dasjenige am Christus des Donatello aufweist 
Die Figuren sind durchaus in naturalistischer Weise be- 
malt, was ihre Wirkung nur erhöht. Diese beiden Christus- 
bilder Waren massgebend für alle künftigen Darstellungen des 
gleichen Gegenstandes im I5. Jahrhundert. 
YVahrscheinlich zu derselben Zeit führten Donatello und 
Brunellesco, vielleicht wieder im Wetteifer miteinander, Holz- 
statuen der büssenden Magdalena aus. 
Brunellescds Magdalena ist leider zu Grunde gegangen. 
Sie wurde in der alten Kirche von S. Spirito aufgestellt, wo 
sie im Jahre 1471 durch eine Feuersbrunst zerstört ward, die 
bei den theatralischen Aufführungen zu Ehren des bei Lorenzo 
de Medici auf Besuch verweilenden Gian Galeazzo Sforza in 
jener Kirche ausbrach. 117 
Die Magdalena des Donatello ist eine derjenigen Figuren, 
in denen er sein Streben nach Realismus und Charakteristik 
am weitesten getrieben hat. Der oberflächlichen Betrachtung 
macht sie den Eindruck der entschiedenen Hässlichkeit Auf 
dieses und einige andere Werke stützen sich vermuthlich jene 
Kunstforscher, welche ein so scharfes Urtheil über Donatellds 
Hang zum Hässlichen fällen, ohne dass sie dabei eine viel 
grössere Anzahl von Werken desselben Meisters in Betracht 
ziehen, wo Schönheit, Lieblichkeit und Anmuth in seltener 
Fülle und Glanz vereinigt sind. Missfallen erregt auf den ersten 
Blick besonders die Steifbeinigkeit und Gliederdürre Magda-
        

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