Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408462
BEMALTE SCULPTUREN DONATELLOS. 
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ihm eintrat. „Was sollen wir denn essen, Wenn Du Alles auf 
den Boden wirfst?"  „Ich für meinen Theil habe heute ge- 
nug," entgegnete Donatello, "nimm Du, wenn Du willst, das 
Deinige, aber ja nicht mehr. Von nun an aber musst Du die 
Christusiiguren und ich die Bauern machen." 
Donatello zeigte mit diesem Ausspruch, wie bescheiden er 
gegenüber dem Urtheil Sachverständiger war und wie gern er 
begründete Kritiken annahm. Sagte er doch später, als er nach 
langer Abwesenheit in Padua wieder nach Florenz zurückkam: 
"Gottlob, dass ich unter den Fröschen von Padua nicht ge- 
storben bin, woran nicht viel fehlte, sie ermüden mit ihrer Be- 
wunderung; die Florentiner bekritteln Alles, aber dabei kommt 
man vorwärtsÜnü 
Brunellescds Ausspruch ist begründet, insofern in dieser 
Figur des Donatello allerdings ein derber Realismus zum Aus- 
druck gekommen ist. Der Christus zeigt eine gedrungene, kräf- 
tige Gestalt mit fast krummen, stämmigen Beinen. Der Kopf 
jedoch offenbart ein meisterhaftes Studium nach dem Leben 
und ist voll gewaltigen Ausdrucks. Es spricht sich darin 
allerdings eher Trotz und stolze, fast wilde Verachtung statt 
der sanften Ergebung aus. Erschütternd tritt- der Todesschauer 
darin zu Tage. Mit Widerstreben hat sich soeben der letzte 
Athemzug aus dem schmerzverzogenen Munde hervorgezwängt. 
Verworren und blutig hängt das Haar über das Gesicht, ver- 
finstert sind die Augen, ausgehöhlt die Wangen. Aber es ist 
doch nicht nur die pathologische Wahrheit und Gewalt der 
Mimik, die uns darin ergreift. Eine Wahrhaft landschaftliche 
düstere Stimmung liegt über der ganzen Figur ausgebreitet; 
sie allein versetzt schon den Beschauer auf den einsamen 
Schädelberg, in das schwarze, wilde Wetter, das beim Schluss 
dieser Welttragödie die Natur erschreckte. Ja, Realismus 
herrscht hier im höchsten Grade; realistisch sind die derben 
Formen, realistisch die erschütternde, traigsche Lebenstiefe; 
die Figur ist so realistisch, dass sich Donatello dabei ganz von 
der hergebrachten, zarten Behandlung des Christus entfernte, 
und vielmehr die Leiden des Heilands als ein Sinnbild für das 
allgemeine Leiden der Menschheit, den Tod, behandelt- 
Der Christus des Donatello enthält die trotzige Frage: "W38 
Quellenschriften f. Kunstgesch. IX. I0
        

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