Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408435
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DONATELLO ALS REALIST UND MALER. 
mehr abhanden zu kommen, so dass heutzutage nicht blos die 
einzelnen Künste sich einander verächtlich den Rücken kehren, 
sondern selbst innerhalb derselben abermalige, der allgemeinen 
Kunstentwicklung höchst verderbliche Spaltungen eintreten. Ein 
Staffeleimaler hält es unter seiner Würde, einen Raum decora- 
tiv harmonisch auszumalen und sich dabei der Architektur an- 
zubequemen und unterzuordnen. Ein Bildhauer von Figuren 
verschmäht es, ornamentale und architektonische Sculptur zu 
betreiben. Er zieht es vor, in seinen Figuren philosophisch- 
allegorische Spitzfindeleien und vermeintliche Tiefsinnigkeiten, 
sowie akademische, zusammenhanglose Styldogmen und Schön- 
heits-Abstractionen zu verwirklichen, statt vor Allem darauf zu 
steuern, dass er eine lebendig wirkende Statue oder Gruppe, 
sei es mit einem grösseren Architekturganzen, sei es mit einem 
fein und edel gebildeten Postament in architektonische Har- 
monie zu bringen verstehe, so dass Figur und Architektur wie 
aus einem Guss erscheinen und sich gegenseitig in ihrer Wir- 
kung unterstützen, statt zu bekämpfen. 
Donatello also wurde einmal schon durch die Tradition 
daraufgeführt, neben dem Bildhauer auch Maler zu sein; inso- 
fern auch er noch die mittelalterliche (resp. antike) Sitte fort- 
übte, den Statuen und Reliefs durch Bemalung eine leben- 
digere und energischere Wirkung zu verleihen. Ausserdem aber 
that er noch den neuen Schritt (der mit Brunellescds farbloser 
Auffassung der antiken Architektur zusammenhing), das male- 
rische Princip, das der Sculptur eigen war, mehr in die Be- 
hauung des Marmors selbst zu übertragen, als in dessen Be- 
malung; so dass, wenn er auch diese nicht ganz aufgab, er 
doch den Weg der späteren Renaissance bahnte, blos durch 
die Marmortechnik selbst ihren Figuren den nöthigen Effect zu 
geben. Aus dieser Uebertragung der malerischen Tendenz der 
Sculptur von der Bemalung in die Steintechnik selbst lässt sich 
auch zum Theil die tiefe Aushöhlung der Schatten am Zuccone 
erklären. Gerade solche hochstehende Statuen beförderten den 
von ihm vorbereiteten Unlwandlungsprocess der malerischen 
Ausschmückung der Statuen , da ziemlich flachgehaltene Figuren 
trotz aller Bemalung in den hohen Nischen des unruhig bunten 
Glockenthtlrms nicht zur genügenden Wirkung gekommen wären.
        

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