Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408421
D ONATE LL O ALS REALIST 
UN D MALER. 
14.1 
plastisch und bestimmt ausgeführt. Falten und Umrisse sind 
scharf und entschieden angegeben, ohne hart zu sein, die 
grössten Schatten sind sehr sparsam und mässig vertheilt, die 
Lichter aufgesetzt. Eine so meisterhafte Leichtigkeit der 
Hand und ein so bewusstes Betonen des Charakteristischen ist 
darin ausgeprägt, dass der Kopf trotz der einfachen Mittel nicht 
blos rund wie Sculptur herausspringt, sondern auch mit seiner 
Seele unmittelbar zu uns spricht. „Favella, favella fin che ti viene 
il Cacasangue!" kann man auch hier mit vollem Rechte ausrufen. 
Pomponius Gauricus erzählt uns mehrere Anekdoten, die 
sowohl den Werth, den Donatello auf's Zeichnen legte, wie 
auch seine Meisterschaft darin veranschaulichen. Seinen Schülern 
pflegte er nach jenem Schriftsteller öfter zu sagen, er könne 
das ganze Wesen der Kunst in einem Worte zusammenfassen: 
"Zeichnet", und das sei in der That der Gipfel und die Grund- 
lage aller Sculptur. Ferner erzählt er, es sei einst M. Balbo, 
ein vornehmer Mann, zu ihm gekommen und habe ihn um 
seine ZGlClJCHSClIEIblODG befragt. Donatello erwiderte: „lch 
habe keine, als die ich beständig mit mir herumtrage, ohne 
Last und Mühe, und die nur ich sehen kann. Wenn Du den- 
noch etwas davon zu sehen wünschest, so sollen mir meine 
Burschen Bleistift und Papier bringen. Sogleich wirst Du jede 
beliebige Geschichte, Männer im Pallium, in der Toga oder 
nackt bewundern können, die ich meiner Zeichenschablone ent- 
locke." '13 
Dass Donatello als vortrelflicher Zeichner auch der Malerei 
nicht fremd blieb, ist crklärlich, zumal wenn man die damali- 
gen Verhältnisse berücksichtigt, wo die Grenzen der Schwester- 
künste noch nicht so streng und pedantisch abgesteckt waren, 
wie heute, sondern wo ein Künstler fast stets mehrere Gebiete 
der zeichnenden Künste zu beherrschen pflegte. Warum? Nicht 
etwa aus Dilettantismus, sondern weil das echte, wahre Styl- 
gefühl für den harmonischen Zusammenhang der Künste noch 
nicht verloren gegangen war, vielmehr im Princip, selbst durch 
das barbarische Altchristenthunl hindurch, von der Antike bis 
zur Renaissance sich vererbt hatte. In der Frührenaissemce kam 
es noch einmal zur letzten vollen Geltung, um allmälig unter 
dem doctrinäiren Dünkel der entstehenden Akademien mehr und
        

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