Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408412
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der Zeichner er war und ein wie grosses Gewicht er auf das 
Zeichnen legte, ist uns übrigens durch mehrfache. Notizen und 
Anekdoten überliefert. Vasari sagt über seine Manier im Zeich- 
nen: „Im Zeichnen war er entschlossen und machte seine 
Zeichnungen mit solcher Gewandtheit und Kühnheit, dass sie 
nicht ihresgleichen haben, wie man in unserm Buche sehen 
kann, wo ich von seiner Hand gezeichnete bekleidete und nackte 
Figuren habe, sowie Thiere, die den staunen machen, der sie 
sieht, und andere ähnliche schöne Dinge." Die Thiere 
scheinen seit dem Beispiel des Piero di Giovanni am zweiten 
südlichen Domportal ein Lieblingsgegenstand der Realisten und 
gewissermassen ein Kriterium ihres ernsigen Naturstudiums ge- 
wesen zu sein. Die eben angeführte Charakteristik der Dona- 
tell0'schen Zeichnungen gilt wohl vorzugsweise von seinen Com- 
positionen ganzer Gruppen von Figuren, wo es auf das ener- 
gische, skizzenhafte Hervorheben der Motive ankam. Wie feurig 
und energisch Donatello zeichnen konnte, wo es der Gegen- 
stand verlangte, das lässt sich nicht nur aus seinen Sculpturen 
rückschliessen, sondern wird auch noch durch eine andere Stelle 
des Vasari bestätigt. Letzterer erzählt nämlich, dass Don Vin- 
cenzo Borghini in einem Buch, wo er Zeichnungen von ver- 
schiedenen Meistern gesammelt hatte, auch Zeichnungen des 
Donatello und Buonarroti einander gegenüberstehen hatte, und 
darunter stand geschrieben: "entweder buonarrotisirt Donatello, 
oder donatellisirt Buouarroti". Diese Frage muss natürlich in letz- 
terem Sinne beantwortet werden, da Buonarroti 100 Jahre jünger 
als Donatello war. l" 
Auf eine noch erhaltene Silberstiftzeichnuilg, die dem 
Donatello mit Sicherheit zuzuschreiben ist, scheint obige Cha- 
rakteristik des Donatelldschen Styls im Zeichnen allerdings 
nicht ganz zu passen. Diese Zeichnung stellt eine Vorstudie zu 
dem Porträtkopf des Zuccone dar, dessen Identität damit in 
die Augen springt. Allein die Kühnheit, die bei der Andeutung 
von Compositionsmotiven angebracht ist, hat bei der Zeichnung 
von Porträtköpfen keine Geltung, WO vielmehr ein eindringen- 
des, feinfühlendes und zart bcobachtendes Seelenstudium mass- 
gebend ist. In der That ist die in Rede stehende Zeichnung 
äusserst zart und duftig, wiewohl zugleich in hohem Grade
        

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