Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408394
 LJ-ll-IIX 
Plätzen und Gebäuden, vom mittleren Domportal aus gesehen 
in Farben dar. Um seine Freunde von der Wichtigkeit seine 
neuentdeckten Darstellungsweise zu überzeugen, verfuhr er fol 
gendermassen. Er bohrte ein Loch in den Augenpunkt des au 
Holz aufgetragenen Bildes, welches er trichterförmig gegen dir 
Rückseite desselben hin erweiterte. Dann stellte er das Bild in 
Verhältniss zu seiner Grösse in dieselbe Entfernung von einen 
Spiegel, als sein Auge sich vom Augenpunkt entfernt befundet 
hatte. Dann liess er seine Freunde durch das Loch in der 
Spiegel blicken, wo diese zu ihrer höchsten Ueberraschung eir 
vollkommen plastisches Bild der dargestellten Gegenstände er- 
blickten. In ähnlicher Weise nahm Brunellesco die Piazza dellz 
Signoria mit den anstossenden Gebäuden aufJW 
Ghiberti's malerische Figurengruppirung stufenweise bis ZUIT 
Horizont hinauf, seine perspectivische Behandlung der Land- 
schaft und der reichen, architektonischen Hintergründe (Eigen- 
schaften "seiner zweiten Broncethüre) lassen sich nicht blos aus 
seiner malerischen Anlage erklären, sondern sind ganz undenk- 
bar ohne Brunellescds Anstoss, ohne welchen Ghiberti wahr- 
scheinlich auch an seiner zweiten wie an der ersten Bronce- 
thüre nicht nur im Einzelnen, sondern auch in der ganzen Com- 
positionsweise Andrea Pisands Styl als Vorbild beibehalten 
hätte. ln Betracht des Umstandes allerdings, dass Ghiberti durch 
die Perspective sich zu Stylwidrigkeiten verleiten liess, wäre sein 
Stillstand beiAndrea Pisano vortheilhafter für die stylistische Ent- 
wicklung des Reliefs in der Folgezeit gewesen. Denn Ghiberti's 
bühnenähnliche Behandlung des Reliefs, wo die vordersten 
Figuren nicht nur am grössten sind, sondern auch hoch her- 
ausspringen, während die entfernteren flach gehalten sind, 
führte in den Nachahmungen der Folgezeit zu Plumpheit, 
Schwulst und Ueberladung und trug in solcher Weise nicht 
wenig zur Verzopfung des Reliefstyls und der Sculptur über- 
haupt bei.  
Donatello, der alle Kunstinteressen mit Brunellesco theilte 
und fast gemeinsam mit ihm dachte und fühlte, begrüsste dessen 
neue Entdeckung ohne Zweifel mit Enthusiasmus, um sie so- 
fort in seinen Reliefs anzuwenden. Dabei beobachtet er jedoch 
im Ganzen ein weit strengeres Stylgefühl als Ghiberti, indem
        

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