Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408365
DONATELLO 
ALS REALIST UND MALER. 
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nisrnus und Naturstudiurn der Gelehrten, Realismus der Künstler 
im unmittelbarsten Zusammenhang mit dem demokratischen 
Freiheitsdrang, dessen fortwährendes Weiterschreiten eine der 
treibenden Kräfte der Horentinischen Geschichte bildete. Kunst 
und Wissenschaft waren die Ventile, durch Welche dieser demo- 
kratische Drang in Florenz sich Luft verschaffte, Während i1n 
politischen Gebiet ehrgeizige Bürger seinen Durchbruch und 
Sieg verhinderten. Gerade zu der Zeit, als die demokratischen 
Wogen am höchsten schlugen (Ende des 14. Jahrhunderts), 
nahmen auch Kunst und Wissenschaft ihren ersten Anlauf zu 
der hohen Stufe, die sie in Florenz erreichten. 
Ja, selbst die vielen kleinen Gewaltherrscher und Usur- 
patoren, welche im 15. Jahrhundert Städte und Provinzen unter 
ihre Herrschaft beugen, stehen keineswegs in einem Wirklichen 
Gegensatz zu der demokratischen, rationalistischen Strömung, 
vielmehr sind sie nur egoistische Ausarttmgen derselben. Wo 
auf Gleichberechtigung aller Menschen von vornherein, auf die 
Nichtigkeit ererbter Vorzüge und Vorrechte, auf die Kasten- 
ordnung blos nach reellen Normen, wie Reichthum, Intelligenz, 
Energie, Macht, gedrungen wird, da werden auch nie die 
herrschsüchtigen Naturen fehlen, welche, statt zur gesetzlichen 
und gerechten Herstellung eines Systems beizutragen, wo solche 
demokratische Principien die harmonischste und allgemein be- 
fricdigendste Verwirklichung finden, vielmehr auf ihre reellen 
Vorzüge und Titel pochend, die der Anderen ignoriren und mit 
Gewalt unterdrücken. 
Also 'selbst die persönlichen Gewaltherrschaften der ehr- 
geizigen Bürger, Soldaten, Prälaten des I5. Jahrhunderts fanden 
ihren directen und entsprechenden Ausdruck in dem energischen 
und rücksichtslosen Realismus der damaligen Künste und Wissen- 
schaften. Ja, wie in Folge des Durchdringens der alleinigen 
Geltung der Individualität, der persönlichen Kraft und Macht, 
sowie des Ringens der sich gebärenden neuen Zeit gegen alte 
Systeme, Satzungen und deren Vertreter wohl schwerlich ein 
Jahrhundert so reich war, nicht nur an dramatischen Ereig- 
nissen, sondern auch an dramatischen, leidenschaftlich-energi- 
schen und rücksichtslosen Charakteren, so konnte auch kein 
Jahrhundert geeigneter sein für dramatische Schilderung von
        

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