Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408340
D ONATELLO 
ALS REALIST 
UND M 
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ist eines dcr vorzüglichstcn Porträts, die Donatello je geschaffen 
Er zeigt eine unbeschreiblich geistreiche Auffassung und Aus- 
führung. In diesen Zügen ist der salbungsvolle und schwarz- 
hafte, pedantische und leichtsinnige, witzige und boshafte 
Charakter Poggids mit deutlicher Schrift geschildert. Das Ge- 
wand ist mit grossem Realismus und meisterhafter Technik 
ausgeführt; doch ist der Faltenwurf etwas trocken und überladen, 
und nicht mehr so genial und kühn wie an dem Zuccone und 
anderen Statuen des Donatellom" 
XVI. 
DONATELLO 
ALS 
REALIST 
UND 
MALER. 
Schon 
den 
frühesten 
Statuen 
des 
Donatello 
sehen 
wir 
zwar seine entschiedene Frontstellung gegen den conventionellen 
Idealismus des 14. Jahrhunderts, der hauptsächlich durch An- 
drea Pisano und die von ihm beherrschte Goldschmiedschule 
einzureissen begann; sowie ein in solcher Fülle, Tiefe, Wahr- 
heit und Genialität seit dem Alterthum nicht mehr dagewesenes 
Erfassen der Natur in ihren Gesetzen, ihrem Erscheinungs- 
reichthum, in ihrer Poesie und Schönheit. Aber wenn den 
früheren Werken doch ein gewisses Pathos für eine, ausserhalb 
ihrer Person liegende Idee innewohnt, wie z. B. im S. Marco, 
oder aber ein jugendlicher Schwung, der eben die noch allge- 
meineren, weniger individuellen Empfindungen der Jugend 
wiedergibt, wie im S. Georg oder in der Verkündigung, so be- 
tritt Donatello mit seinem Zuccone die Bahn des eigentlichen 
Porträtisten, der nichts Anderes will, als eine Seele dar- 
stellen, wie sie sich mit allen ihren Eigenschaften, Kräften, 
Neigungen, Leidenschaften und Gedanken in einem Antlitz 
wiederspiegelt, unbeeinflusst durch irgend ein ausser ihrliegen- 
des Object, auf das ihr Handeln gerichtet wäre, sondern blos 
als Potenz, sowie als bereits fertiges Resultat früherer Ein- 
drücke, Erfahrungen und Gedanken. Die Kraft der Charakte- 
risirung eines Porträtisten bethäitigt sich zwar auch in der Dar- 
Stellung einer schönen Seele, d. h. eines jugendlichen oder 
weiblichen Kopfes, doch lassen die weichen oder einfach leiden- 
schaftlichen Empfindungen, die in solchen Aufgaben vorzüglich 
darzustellen sind, eher eine individuelle, subjective, phanta-
        

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