Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408318
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STATUEN DES DONATELLO AM CAMPANILE. 
sich weder mit abstracten, frömmelnd-süssen Phantasieformen 
noch auch mit gekauften stumpfsinnigen Modellen zu begnügen 
sondern, da er einmal die Original-Propheten nicht haben konnte 
so bat er hervorragende Männer unter seinen Bekannten, de1 
Gelehrten und Staatsleuten seiner Zeit, ihm als Propheten zt 
sitzen. So hatte er zwei Fliegen auf einen Schlag, das Porträt 
eines interessanten Zeitgenossen und ein geeignetes Modell füi 
den biblischen Geistesheroen. Aber welche freie, menschliche 
Auffassung der biblischen Persönlichkeiten spricht sich darin 
aus! Er sieht in den Heiligen und Propheten die hervorragen- 
den, begeisterten Menschen, die sie waren, nicht mystische, 
verzückte, sich selbst unklare Gefässe höherer Mächte. Dona- 
tello ist ein wahrer David Strauss der Sculptur. 
Doch betrachten wir jetzt die Statuen selbst. Dieselben 
stehen jetzt einander gegenüber in Holznischen des Ammanati, 
den beiden Nebenportalen der Domfagade zunächst. Rechts vom 
Eintretenden steht das Standbild des Humanisten Giannozzo 
Manetti. Schicken'wir eine kurze Charakteristik desselben vor- 
aus, da dieselbe uns im Verständniss der Statue unterstützen 
wird. Giannozzo wurde im Jahre 1396 dem Kaufmann Bernardo 
aus der reichen und vornehmen Familie der Manetti geboren. 
Er sollte gleichfalls Kaufmann werden, wandte sich aber den 
Sprachen und der Mathematik zu. Er nahm zwei Griechen und 
einen Hebräer zu fortwährenden Sprachübungen in sein Haus 
und gab schon früh eine Ethik des Aristoteles mit Anmerkungen 
heraus. Mit fünfunddreissig Jahren heiratete er Anna Giacomina 
Tedalducci, mit der er vier Knaben und drei Mädchen erzeugte. Er 
war oftmals Gesandter der Republik und war der Partei der Medici 
feindlich gesinnt. Als Cosimo zur moralischen Herrschaft in 
Florenz gelangte, liess er ihn desshalb mit so schweren Steuern 
belegen, dass Giannozzo Florenz verliess und beim Papst Nico- 
laus V. sich als Secretär anstellen liess. Am 26. November 1459 
starb er in Neapel. Er war klug, bescheiden, sittenrein, liebens- 
würdig und gelehrt wie kein anderer seiner Zeitgenossen. 
Die Statue Donatellds stellt ihn in seiner Jugend dar, 
mag also ungefähr um 1420 entstanden sein. Lebhaft nach 
rechts schreitend, wendet sie ihren Kopf links abwärts; die 
Linke hält den Mantel in die Höhe, die Rechte trägt eine
        

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