Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408289
STATUEN DES DONATELLO AM CAMPANILE. 
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Auch in der Statue, die wir jetzt zunächst anführen und 
deren Bezeichnung wir nicht keimen, ist in sehr realistischer 
Weise das Portrait eines bartlosen Alten mit zerfurchten 
Zügen und stark vertretenden Halssehnen gegeben. Der Ausdruck 
dieses Kopfes ist in hohem Grade lebendig und geistreich. 
Nicht nur dieser Umstand, sondern auch ldie Behandlung des 
Gewandes lässt Donatellds Urheberschaft als unzweifelhaft er- 
scheinen. Auch hier nämlich besteht dasselbe aus einem Chiton, 
über welchen ein vor dem Hals zusammengeknüpfter Mantel 
in malerischem Wurfe liegt. Auch hier ist das eingehendste 
Studium der Natur mit genialem Linienschwung gepaart, auch 
hier schimmert trotz der reichen Gewandulug der Körper klar 
und edel durch. Die Figur hält mit beiden Händen eine Schrift- 
rolle vor sich. 
Unzweifelhaft 
Urheberschaft 
sodann Donatellds 
für 
die 
Gruppe, welche in der dritten Nische von links steht, da die- 
selbe tirkundlich als ein Werk Donatellds festgestellt ist.'"7 
Diese Gruppe ist neben dem Zuccone die schönste Arbeit Dona- 
tell0's am Glockenthurm. Sie stellt den Moment dar, da Abra- 
ham im Begriffe ist, seinen Sohn Isaak zu schlach- 
ten, daran aber durch den Engel noch rechtzeitig verhindert 
wird. Donatello hat sich bei der Composition dieser Gruppe mehr 
an Ghibertfs als an Brunellescds Behandlung dieses alten Motivs 
angenähert, dabei aber Ghiberti's etwas gespreizten Styl ver- 
mieden und  noch in tieferem Sinne stylvoll  nur wirk- 
liches Leben dargestellt. 
Der Kopf des Abraham ist an Schönheit und edlem Aus- 
druck dem des S. Marcus an Or San. Michele verwandt und 
ebenbürtig. Auch hier Enden wir wieder jene grossartige und 
edle Behandlung des Haares und des Bartes. Mit einem schmerz- 
lichen Blick empor horcht Abraham auf und hält in dem Schnitt 
inne, den er im Begriff war, in lsaaläs Hals zu thun. Mit der 
andern Hand hält er noch dessen- Haupt zur Seite gedrückt. 
Dieser kniet mit zurückgebunrlenen Armen vor ihm, gestützt 
auf das vor-tretende rechte Bein Abrahanfs. Obwohl in dieser 
Gruppe das vollste Leben und die lebhaftesten Bewegungen 
dargestellt sind, so treten beide ITigLIren vermöge der geist- 
reichen, zusammengedrängten und doch klaren und wahren
        

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