Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408270
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STATUEN DES DONATELLO ANI CAMPANILE. 
sein Realismus, wie der des ungläubigen Thomas, auch auf 
andere Gebiete als das der Kunst erstreckte, was allerdings 
mit seinem durch und durch heidnisch-ilaiven und heiteren 
Wesen in völligem Einklange stehen würde. Auch andere Anek- 
doten weisen noch darauf hin, dass er die damals mehr als 
später in Italien ausgebreitete freidcnkcrische Gesinnung ge- 
theilt habe. 
Doch fahren wir fort in der Besprechung der Statuen am 
Domcampanile. Ebenfalls das Porträt eines Freundes des Dona- 
tello sehen wir in dem Kopf der dcrn Zuccone zunächst stehen- 
den Statue, welche die Umerschrift trägt: Opus Donatelli, 
Salomon rex. Er stellte darin den Francesco Sodcrini dar.  
Während wir in der vorigen Statue einen ruhigen, nachdenk- 
lichen Greis vor uns sehen, so zeigt uns diese einen zwar gleich- 
falls bejahrten, aber von leidenschaftlicher Energie bewegten 
Mann. 
Diese spricht sich sowohl in den zusammengepressten 
Lippen, den zornigen Augen, wie auch in der erregt schrei- 
tenden Stellung, in der Haltung der Arme, ja selbst in der 
Behandlung des Gewandes aus. Die rechte Brust und der rechte 
Arm sind entblösst, ein faltenrciches, togaartiges Gewand um- 
hüllt den übrigen Körpern. Die Hand des linken gebogenen 
Armes tritt aus der Gewandumhüllung heraus und hält eine 
Inschriftrolle, mit der ausgestreckten Rechten greift er in die 
Falten, wie um das Gewand in die Höhe zu ziehen. Der rechte 
Fuss schreitet vorwärts, das Haupt schaut links. Das Gewand 
ist auch hier reich an schönen, grossen Motiven, doch ist es 
etwas unruhig und theilweise auch verworren und schwer zu 
verstehen. Dennoch ist auch diese Statue von grosser Schön- 
heit und voller Natur; prächtig ist besonders der nackte Arm 
in seiner kühnen Musculatur. 
Ferner sind von Donatello noch zwei Statuen an der Ost- 
seite des Glockenthtirmes, während die beiden anderen, wie wir 
sahen, Werke des Niccolö d' Arezzo sind. Nach genauer Prü- 
fung dieser vier, unter sich viel Verwandtes zeigenden Statuen 
gelangten wir zu der Ueberzetigung, dass nicht, wie Vusari 
und Andere '06 angeben, die beiden mittleren, sondern die erste 
und dritte Statue, resp. Gruppe, von Donatello seien.
        

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