Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408269
STATUEN DES DONATELLO AM CAMPANILE. 
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Aus derselben Rücksicht wurde jedenfalls auch die Stirnwulst 
des olympischen Zeus so stark betont, um in die Ferne im 
richtigen Masse zu wirken; ebenso wie im Vatican sich tra- 
gische Masken befinden, mit tief ausgehöhlten Augen, Nasen- 
löchern und Mundöffnungen, ohne Zweifel, weil sie hoch an- 
gebracht waren. Aus solch energischer Behandlung der Formen, 
die sich öfter bei den Alten findet, haben dann die deutschen 
Archäologen ihren imaginären Idealismus der Alten hergeleitet. 
Allerdings durch Tasten und Messen mit der Natur verglichen, 
werden solche Werke nichts weniger als naturgetreu erscheinen. 
Aber, wie wir schon sagten, der wirkliche Realismus besteht 
gar nicht in einem Abphotographiren und Abgiessen der Natur. 
Nur ein thörichter Künstler kann vermeinen, auf diese Weise 
mit der Wirkung der Natur zu wetteifern. Es ist doch selbst 
dem ängstlichsten Nachahmer unmöglich, jede Einzelheit der 
Natur genau in derselben Weise, wie diese sie zeigt, nachzu- 
ahmen. Nein, wir wiederholen es, der wahre Realismus ist das. 
Streben, den lebendigen, charakteristischen, schönen Effect 
der Natur auf unser Auge und Gemüth möglichst getreu, un- 
mittelbar und fesselnd durch andere Mittel wiederzugeben. 
Im Gesammt-Brennpunkt der Erscheinung, nicht in den 
sich darin samrnelnden, mehr oder weniger unerforschbaren 
Strahlen muss eir Kunstwerk mit der Natur wetteifern. Und 
da die Mittel der Kunst zu wirken von vornherein andere 
sind als die der Natur, muss jener auch die freie Macht zu- 
stehen, diese Mittel nur dem einen Zweck, dem schliesslichen 
Effect unterzuordncn, und sie danach je nach den verschiedenen 
Umständen verschieden zu gebrauchen. Nicht die Form an sich, 
sondern die Form als Luftbild, als Spiegelung auf der Netz- 
haut soll des Künstlers Aufgabe sein; wobei allerdings stets 
der Natur des Materials Rechnung getragen und nicht Gewalt 
angethan, vielmehr auch sie als Mittel zum Zwecke verwendet 
werden soll. 
Donatello war auf diese Statue so stolz, dass er, wenn er 
etwas betheuern wollte, zu" sagen pflegte: "Beim Glauben, den 
ich zu meinem Zuccone hege!" Womit er sagen wollte, den 
habe ich so lebendig dargestellt, dass ich selbst an sein Leben 
glaube. Es scheint dies fast wie eine Anspielung, als ob sich
        

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