Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408254
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STATUEN DES DONATELLO AM CAMPANILE. 
da die Ferne den Fleiss frisst. Eine grossherzige Rücksichts- 
losigkeit belebt die Conception, erniedrigt sie nicht, so dass 
man z. B. einen grossen Zorn, Niederträchtigkcit, Aufstand, 
Wuth mit nicht gemessenen, sondern angem essen en Worten 
schildern muss. Auch die Rohheit der Quadern an den grossen 
Palästen verringert nicht deren Majestät, im Gegentheil, sie er- 
höht sie." 105 
Aehnlich spricht sich Vasari in seiner Einleitung in dem 
ersten Capitel über Sculptur aus. Dort sagt er unter Anderem: 
„   . Sowohl die in Relief gebildeten als die gemalten Figuren 
müssen mehr mit dem Urtheil als mit der Hand ausgeführt 
werden, wenn sie in einer grossen Höhe und Entfernung an- 
gebracht werden; denn den Fleiss der letzten Vollendung sieht 
man nicht von Weitem, wohl aber sieht man die schöne Form 
der Arme und Beine und den guten Geschmack in den Falten 
des Gewandes mit wenig Brüchen; denn in der Einfachheit des 
Wenigen zeigt sich die Schärfe des Geistes. Desshalb müssen 
die Figuren von Marmor oder Bronce, welche etwas hoch 
zu stehen kommen, kühn unterhöhlt sein, damit der Marmor, 
welcher weiss ist, und die Bronce, welche sich dem Schwarzen 
nähert, in der Luft dunkle Stellen annehmen, und durch 
diese die Arbeit von der Ferne vollendet erscheine, während 
sie in der Nähe als nur bossirt erkannt wird. Diesen Ge- 
sichtpunkt befolgten die Alten in hohem Masse, wie uns 
die Rund- und Relief-Figuren an den Bögen und auf den 
Säulen Roms zeigen, welche den grossen Geschmack be- 
weisen, den sie hatten, und unter den Modernen sieht man, 
dass dieses Princip durchaus von Donatello in seinen Werken 
befolgt worden sei." Hierauf gibt Vasari noch verschiedene Mittel 
an, um in gewisser Höhe die richtige Wirkung zu erzielen. 
Wir machen darauf aufmerksam, dass an den zwei antiken 
Statuen am Aufgang des Capitols die oberen Partien in einem 
grösseren Massstabe ausgeführt sind als die unteren, weil an 
diesen Statuen, welche ziemlich steil über dem Blick des Be- 
schauers stehen mussten, die oberen Theile stärker verkürzt 
wurden, als die unteren näherstehenden. 
 Ebenso sind an der Trajanssäule in Rom und an der des 
Antoninus Pius die ReliefS je grösser, je höher sie sich befinden.
        

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