Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408241
STATUEN DES DONATELLO AM CAMPANILE. 
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furcht ein; die von Zeuxis dargestellten Trauben waren so 
natürlich, dass die Vögel darnach pickten; Pygmalion verliebte 
sich in seine eigene Schöpfung. Auch die Alten strebten dar-A 
nach, durch ihre Kunstwerke nicht blos einen harmonisch 
schönen, sondern auch einen lebendigen Effect hervor- 
zubringen und im Beschauer eine dem dargestellten Gegenstand 
angemessene Stimmung zu erwecken, und dies konnte nur durch 
Wahrheit und Kraft der Charakteristik im Gegenstand selbst 
geschehen. Neben der Charakteristik gehörten, wie Wir SCÜOH 
oben sahen, technische Mittel und Berechnungen dazu, so dass die 
Statue in der Stellung, Lage und Entfernung, wie sie sich dem 
Blicke des Beschauers darbietet, gerade das gewünschte Mass 
von harmonischer und lebendig ergreifender Wirkung thue, die 
der Künstler beabsichtigt. Die Alten thaten dies durch perspec- 
tivische und malerische Mittel; die Bemalung ihrer Statuen 
half ihnen bedeutend, die nöthige Wirkung auch in der Ferne 
zu erzielen.  Auch zu Donatellds Zeit wurden die Statuen 
noch bemalt; zugleich gab ihnen Donatello durch die nöthige 
Licht- und Schattenwirkting das nöthige Relief und Leben. Ja, 
allmälig trat dieses Mittel der Belebung vor dem farbigen in 
den Vordergrund, wozu wohl theils die oft so hohe Aufstellung 
der Statuen, theils die farblos werdende Renaissance-Architektur 
beitrug.  Den Zuccone arbeitete Donatello ganz besonders mit 
Hilfe einer tiefen Aushöhlung der Schattenstellen zu einem 
energischen Effecte aus; hiezu veranlasste ihn dessen hohe Auf- 
stellung. 
Davanzati in seiner Einleitung zur Uebersetzung des 
Tacitus spricht sich in folgenden glücklichen Worten über die 
Art der Behandlung des Zuccone aus: „Die von edeln Männern 
und dem Gebrauch gebilligten Eigenheiten sind also keine Fri- 
volitüten, sondern Kräfte und Nerven; weder Homer noch 
Dante vermeiden sie in ihren erhabenen Gedichten an den Stellen, 
wo sie mit Kühnheit schildern. Auf die Art der Verwendung 
muss man also sein Augenmerk richten; so that es Donatello 
in dem berühmten Zuccone an unserem Domcampanile, als er 
die Augen machte; dort oben scheinen sie wie mit der Schaufel 
gegraben; denn wenn er sich mit ihrer Wirkung auf dem Erd- 
boden begnügt hätte, würden sie dort oben blind erscheinen,
        

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