Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408231
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STATUEN DES DONATELLO AM CAMPANILE. 
Fangen wir bei der berühmtesten derselben an, dem so- 
genannten Zuccone. Er befindet sich in der zweiten Nische 
von links aus an der Vorderseite des Thurmes. An dem Sockel 
der Statue stehtdie Inschrift: Opus Donatelli. David Rcx.  
Die Statue ist mit einer über den Schultern zusammengehefteten 
ärmellosen Tunica bekleidet, über Welche von der linken Schulter 
herab eine schwerstoflige Toga in grossartigen Falten über den 
Leib herabfällt und am Boden sich aufbauscht. Mit dem linken 
Arm, der herrliche, kühne und linienschöne Umrisse zeigt, hält 
er das Gewand, die Rechte stützt er leicht auf die Hüfte. Der 
kahle, schmale, hohlwangige und blödäugige Kopf blickt ernst 
und melancholisch vor sich hin und zeigt eine überraschende 
Unmittelbarkeit des Lebens. Aber wir haben hier weniger den 
Charakterausdruck des poetischen Königs, als das wirkliche 
Porträt eines Zeitgenossen des Donatello, des Giovanni di Bar- 
duccio Cherichino, eines der Albizzfschen Partei angehörigen 
Bürgers von Florenz. Der Vater desselben, Barduccio Cheri- 
chino, war 1410 Gonfaloniere. Giovanni war 1433 Mitglied der 
Balia (Kriegsrath), welche Cosimo's Verbannung beschloss. 
Während Donatello diese Statue aus dem Stein hieb, dass 
die Splitter urnhertlogen, rief er, wie um sich zu begeistern: 
"Schwarze, schwatze, bis du Blut kackstl" ein Ausspruch, der 
bezeichnend ist sowohl für Donatellds kräftige Naivetät, wie 
für seine Ueberzetigung, dass eine Statue, um gut zu sein, vor 
Allem lebendig, und um lebendig zu sein, gleichsam zu sprechen 
scheinen müsse. Noch öfter wiederholt sich bei Schriftstellern 
des 15. Jahrhunderts als höchstes Lob, das einer Statue oder 
einem Gemälde zu Theil ward, der Ausspruch, dass die dar- 
gestellten Personen gleichsam zu sprechen scheinenßlrl 
Und damit diese Ansicht von dem Werth einer Statue 
von den sogenannten classischen Idealisten (die aber nichts als 
abstracte, verwaschene Phantasie-Schattenbilder schaffen, keines- 
Wegs aber die Antike erneuern) nicht als eine materielle und 
triviale Auffassung der edeln Kunst verpönt werde, erinnern 
wir daran, dass die gesunden und naiven Griechen der besten 
Zeiten den Meisterwerken ihrer Künstler ein ganz verwandtes 
Lob zu Theil werden liessen. Der Zeus des Phidias flösstc 
durch seine Erscheinung überwältigende Verehrung und Gottes-
        

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