Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408123
DEM ST. 
GEORG 
VERWANDTE SCHÖPFUNGEN m. 
der Verkündigung ist so alt, als die christliche Kunst über- 
haupt. Wir führen als Beispiel einer älteren Darstellung die 
Verkündigung auf dem Relief in der Capelle S. Ansano im 
Dome von Siena an, welches, wie wir anderswo nachgewiesen 
zu haben glauben, noch der vorpisanischen Sculpturperiode an- 
gehört. Der Engel ist hier noch stehend und gegen Maria mit 
erhobener Hand und Scepter schreitend dargestellt, wie ein 
antiker Herold. Auch die pisanische Schule selbst behielt diese 
Art der Darstellung bei, wie uns die Gruppe in der Lunettc 
des ersten südlichen Domportals in Florenz zeigt. Donatello be- 
gann das Motiv des Engels zu bereichern, indem er darin zu- 
gleich andeutete, dass er herbeigeflogen sei, und dass er nieder- 
knieen werde. Von Donatello an wird das Knieen, aber zugleich 
das vorhergegangene plötzliche Hereinschweben des Engels 
immer mehr betont und ausgeführt. 
In dem Kopf des Engels lässt sich noch ein Nachklang 
des Styles von Niccolo d'Arezzo mehr empfinden als aus- 
sprechen; ebenso wie Marie in dem schlanken Hals, dem rund- 
lichen Kopf, der länglichen Nase an den oben beschriebenen 
Marmor-David des Donatello erinnert, sowie an die damit in Zu- 
sammenhang stehende Gruppe von Kunstwerken. Hervorzuheben 
ist noch die feine Belebung der Hände an dieser Gruppe, wel- 
chen Fortschritt die Renaissance vorzüglich dem Donatello 
verdankt. 
wir 
Mit Zurückweisung auf den oben besprochenen David müssen 
noch einer andern M a rmo r s t at u e des D a vid erwäh- 
nen, welche Donatello für die Familie Martelli herstellte, ohne 
dass wir jedoch den Zeitpunkt ihrer Entstehung kennen. Die- 
selbe steht im Treppenhause des Palastes Martelli. Die Anleh- 
nung an die Antike tritt hier deutlicher hervor als in der oben 
beschriebenen Statue zumal in der Gewandung, welche in einer 
kurzen Tunica besteht. Der Fuss des linken entblössten Beines 
ruht auf dem Haupt des Goliath; die linke Hand ist keck auf 
das gebogene Bein gestützt, mit der Handfläche nach ausscn. 
Die Rechte mit der Schleuder fällt längs des Standbeins nieder. 
Das schöne Haupt schaut sinnend links nieder. Dessen Züge 
erinnern bei voller unmittelbarer Belebung in Vielem an die 
Antike. Ebenso das feinbehandelte Gewand. Leider ist die Statue
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.