Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408101
DEM ST 
GEORG VERYVANDTE SCHÖPFUNGEN etc. 
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Massivität, einen ungemein reichen, festlichen und phantasie- 
vollen Eindruck, der durch den Farbenschmuck ursprünglich 
ohne Zweifel bedeutend erhöht wurde. Dass dieser nicht fehlte, 
lässt der Umstand errathen, dass selbst Vasari bei seiner rohen 
Uebertünchung dieses edeln Kunstwerks, wodurch deSSen Detail- 
feinheiten zum grossen Theile verloren gingen, dennoch die 
Augen der Figuren mit dunkler Farbe bemalte, sowie die Ge- 
wandsäume vergoldete. Der Hintergrund der Nische, Welcher 
eine getäfelte Wand mit schönen, schwungvollen, in antikem 
Geschmack gehaltenen Ornamenten in Basrelief darstellt, tritt 
gerade soweit zurück, um der von Maria und dem Engel Gabriel 
gebildeten Hochrelief-Gruppe Platz zu lassen. Maria hat sich 
soeben von dem gleichfalls reich ornamentirten Lehnsessel er- 
hoben, erschrocken sich vor dem Engel verneigend, der ihr die 
Botschaft überbringt. Dieser ist noch in Bewegung, als ob er 
eben herbeigeschwebt wäre und im Begriff stünde, nieder- 
zuknieen. Das Haupt neigt er sanft und entzückt gegen Maria 
hin, die linke Hand legt er natürlich und voller Anmuth quer 
über den Schoss, das Gewand damit haltend, während er die 
Rechte ehrfurchtsvoll und betheuernd an die Brust drückt. Als 
Gewand trägt er eine Art Chiton. Der Faltenwurf zeigt eine 
glückliche Vereinigung eingehender, liebevoller Studien nach der 
Natur und derAntike zugleich. Es lässt sich darin eine geniale Intui- 
tion eines zugleich naturwahren und stylvollen Linienzusammen- 
hanges erkennen; nur herrschen die bedeutenden Motive zu sehr 
vor, so dass gerade dadurch ein Mangel an Hauptgruppen entsteht. 
Noch weniger übersichtlich und noch reicher an tief- 
empfundenen Details ist Maria's Gewand, dessen untere Partie 
besonders etwas schwer erscheint. Um so ergreifender ist im 
Uebrigen die Erscheinung der Maria. Erschrocken und de- 
müthig weicht sie einen Schritt zurück, indem sie, halb abge- 
wendet, voll Innigkeit ihr Gebetbuch an sich presst und ihre 
Hand verehrend auf die Brust legt. Ihr Antlitz, von holdseliger 
Jugend und zarter Lebensfreude strahlend, neigt sich, seiner 
Schönheit nicht bewusst, naiv und voll heiliger Feier vor dem 
Gottesboten. Eine überwältigende Anmuth, Zartheit, Phantasie 
und Lebensfülle ist darüber ausgebreitet; eine wunder- 
bare Verschmelzung modern fiorentinischen Seelenlebens mit
        

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