Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408090
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DEM ST. 
GEORG VERWANDTE 
SCHÖPI 
7UNGEN etc. 
der Stadt herumgetrzigen, was stets nur bei ganz wichtigen 
Anlässen geschah. 
Unter den drei Commissären, die das Heer der Republik 
geleitet hatten, befand sich auch Bernardo Cavalcanti.  
Sollte also die Gruppe der Verkündigung in S. Croce nach 
der Sitte der damaligenZeit nicht eine symbolische Anspielung auf 
die frohe Nachricht der Einnahme von Pisa sein, die Cavalcanti 
vielleicht zuerst in die Stadt gebracht hatte, und zu deren Erinnerung 
daher er oder seine Familie jene fromme Statuengruppe stiftete? 
Wenigstens widerspricht der Charakter der Figuren selbst 
nicht der Annahme ihrer Entstehung kurz nach 1406.  
Allerdings scheint der Charakter der Nische, welche schon in 
vollkommenem Renaissancestyl ausgeführt ist, gegen eine so 
frühe Entstehung des Kunstwerkes zu sprechen. Allein ander- 
seits müssen wir berücksichtigen, dass die Nischen von Or San 
Michele dem Charakter des ganzen Baues zu Liebe noch gothisch 
gehalten wurden, und dass die Ornamente daran schon fast Renais- 
sance sind. Ausserdem kam Donatello gerade im Jahre 1406 von sei- 
nen classischen Studien in Rom zurück, und nichts ist wahrschein- 
licher, als dass er sie auch in architektonischerHinsicht sofort ver- 
wendete, wenn auch nebenbei noch eine ältere Richtung fortbestand. 
Das Tabernakel, welches T41 M. in der Höhe und ['90 M. 
in der Breite misst, ist architektonisch und ornamental in einer 
äusserst reichen, dabei aber sehr bizarren Früh-Renaissance 
gehalten, wie wenn Donatello die in Rom gesammelten antiken 
Eindrücke und Studien in unbeherrschter Jugendfreude hier 
zusammengestellt hätte. Ueber der Basis, welche auf zwei etwas 
plumpen, mit Ranken in Relief geschmückten Consolcn ruht, 
erheben sich zu beiden Seiten vierkantige, schuppenbedeckte 
Pilaster, deren Capitäle mit Masken geschmückt sind und die 
ein reiches Gebälk mit kräftig vorkragendem Gesims tragen. 
Darüberlerhebt sich als Bekrönung ein halbrunder" Giebel, der 
in Voluten mit Palmetten auslätift und eine Muschel mit Festons 
umschliesst. Zu beiden Seiten des Giebelbogens stehen je zwei 
halbnackte Putten von Holz, welche, wie Vasari es trefflich 
schildert, mit sehr lebendigen Bewegungen erschreckt hinab- 
schauen und sich aneinander festhalten, als ob sie zu fallen 
fürchtetenß" Die ganze Architektur macht, bei aller Kraft und
        

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