Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408078
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DEM ST. 
SCHÖPFUNGEN m. 
GEORG VERWANDTE 
achten lässt. Das fehlerhafte Verhältniss derArme dagegen rührt 
wahrscheinlich aus einer bewussten Berechnung des Künstlers her, 
der die Statue für einen hohen Standpunkt berechnet hatte. 
Aus diesem Grunde gab er ihr auch vielleicht nicht die letzte 
Feile. Die Statue misst  toscanische Braccia. Es halfen ihm 
an der Ausarbeitung derselben bereits mehrere Schüler, wie ein 
Document uns meldetf" 
Ein alter, ohneZweifel aus derselben Zeit stammender Gyps- 
abguss des Kopfes dieser Statue befindet sich in einer der 
Rundnischen über den Bögen des Säulenhofes im Palazzo Pazzi 
(jetzt Quaratesi), Welchen Brunellesco in den Zwanziger-Jahren 
erbaute. 
In diese nämliche Kategorie von heroischen Jünglings- 
Figuren gehört endlich die Marmorfigur, welche sich in der 
äussersten Nische links für den Beschauer an der Vorder- oder 
Westseite des Domcampaniles zu Florenz befindet. Sie trägt 
am Sockel die Inschrift: "Donatello".  lm Jahre 1416 erhielt 
Donatello Auftrag zu zwei Statuen für den Thurrn; "z vielleicht 
war diese darunter. Jedenfalls war sie 1422 vollendet, da dann 
die Dombau-Behörde beschlicsst, dass die vier Statuen, welche 
für die Facade des Thurmes hergestellt seien und in der 
Dornopera stehen, aufgestellt werden. 
Der Kopftypus dieser Statue ist ganz verwandt mit denen 
des S. Georg und des David. Auch hier sehen wir einen mit 
antiken Anklängen dargestellten Kopf eines Florentiner Jüng- 
lings, auch hier die leidenschaftlich emporgezogenen Brauen 
und den stolz geworfenen Mund. Ebenso ist in der Stellung 
derselbe Trotz, dieselbe Gespreiztheit der Beine zu erblicken, 
wie in jenen Statuen. Auch der Mantel ist ähnlich über den 
Schultern zurückgeworfen, um vor dem unteren Theile de: 
Körpers wieder hervorgezogen zu werden. Nur die Armhaltung 
ist neu; er hält damit zugleich den Mantel und die ausgebreitet: 
Schriftrolle; die Arme sind in kühnen, schönen Linien beweg" 
und zeigen treffliches Studium der Anatomief"; 
Diesen Jünglingsgestalten lässt sich als Pendant endlicl 
noch die Gruppe der Verkündigung anschliessen, welche 
jedenfalls gleichfalls ein in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahr 
hunderts entstandenes Jugendwerk des Donatello ist und rnanchi
        

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