Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408065
DEM 
GEORG V ERWVANDTE SCHÖPFUNGEN etc. 
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Jedermann bewundert und in hohen Ehren gehaltenß" Später 
wurde diese Statue nach derSammlung derUfficien gebracht und 
am äussersten Ende rechts im dritten Gange aufgestellt. Jetzt be- 
findet sich dieselbe jedoch im Nationalmusetim, welches im 
Palazzo del Podesta eingerichtet ward. In derselben heraus- 
fordernden Stellung, nur etwas gespreizter und theatralischer 
als der S. Georg, aber dennoch voll gewaltigen, ehrfurcht- 
gebietenden Schwunges steht dieser David da. Er ruht auf dem 
linken Bein, während er das rechte siegesstolz vorstreckt. Zwi- 
schen den nackten Beinen liegt der schöne, edelgeformte Kopf 
des Goliath mit meisterhaft stylisirtem Haar. David lässt seine 
herabhängende Schleuder darauf ruhen, wie um auf das Resultat 
ihrer Wirkung zu zeigen, während er mit der Linken, die er 
auf die Hüfte stützt, den Mantel hält, welcher, vor dem Hals 
durch eine Agraffe zusammengehalten, über den Rücken fällt 
und erst über den Oberschenkeln wieder nach Vorne gezogen 
erscheint. Den Leib des David umschliesst ein eng anliegendes 
Lederwamms. Durch diese Art der Drapirung hat Donatello 
malerischen Faltenwurf mit der Darstellung des Nackten einer- 
seits und mit möglichst charakteristischer Costumirung ander- 
seits zu vereinigen gesucht. Wir sehen hier den barfüssigen 
Hirtenknaben in kricgerischem Mantel und Lederpanzer. Der 
Kopf des David ruht auf einem ähnlichen schlanken Hals, wie 
der des S. Georg. Ebenso zeigt er wie jener eine Vereinigung 
Horentinischcr und antik-classischer Züge, doch herrscht der 
fiorentinische Typus hier vor. Die Nase ist hier etwas lang und 
gerade, der Mund und das Kinn treten spitz vor. Knabenhafte 
Naivetät und Keuschheit sind gut darin ausgedrückt. Das Haupt 
umwindetiein Blätterkranz, der sich vorn über der Stirne mit 
dem Haarbüschel zusammen zu einer schönen, das Gesicht an- 
genehm  und eliectvoll bekrönenden Masse von Licht und 
Schatten vereinigt. Wiewohl voller Charakter und Leben, so 
entbehrt die Statue doch der letzten Hand; ausserdem sind die 
Unterarme etwas kurz, besonders im Verhältniss zu den langen 
Händen, die eine etwas schlangenhafte Bewegung zeigen. Diese 
letztere scheint einUeberrest des Uebergangsstyls zu sein, da sich 
Aehnliches an den obenibeschriebenen vier Evangelistenstatuen, 
sowie an den Figuren von Ghiberti's erster Broncethüre beob-
        

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