Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408037
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STATUEN FÜR 
DIE NISCHEN etc. 
Ferner stellte Ghiberti von den Jahren 1419 bis 14.22 die 
Statue des Evangelisten S. Matthäus für die Zunft der 
Wechsler und Münzer, gleichfalls in Bronce, her, wobei ihm 
Michelozzo behilflich war. Anfangs war der Pfeiler, an 
dem sich die Nische befindet, für die Bäcker bestimmt, welche 
den S. Lorenzo dort aufstellen wollten, aus Armuth traten sie 
ihn jedoch an die obigen Zünfte ab. Das Tabernakel, gleich- 
falls ein Werk des Ghiberti, nähert sich auch in der ganzen 
Anlage der Renaissance schon mehr als die bisher beschriebe- 
nen. Es zeigt eine ziemlich flache Nische, welche durch korin- 
thische kannellirte Pilaster und oben durch eine allerdings noch 
spitzbogige Muschel gegliedert ist. Ueber der spitzbogigen Oerf- 
nung derselben zieht sich ein Gesims mit Zahnschnitt hin, 
über welchem sich ein schon sehr stumpfwinkeliger Giebel mit 
Akanthuskrappen und einem Wappenschild im Giebelfeld er- 
hebt. Seitlich stehen statt der Fialen die schon oben bespro- 
chenen Statuetten des Niccolö d'Arezz0. 
Die Figur des Evangelisten macht einen bedeutend an- 
genehmeren Eindruck als die vorher besprochene des Täiufers. 
Auch hier zwar sind Faltenwurf wie Kopfbildung conventionell; 
während aber dort die geschweifte Linie des I4. Jahrhunderts 
in ihrer höchsten Uebertreibung statt der gewünschten Schön- 
heit nur Unruhe, Verworrenheit und leere Unnatur zeigt, 
haben wir hier eine Vereinigung bedeutender Studien nach der 
Antike mit den Traditionen des 14. Jahrhunderts. Auch hier 
finden sich noch die geschweiften Schönheitslinien der eben- 
genannten Periode, auch hier noch deren schematische Einthei- 
lung des Gewandes in grosse, conseqtient verlaufende Falten 
und daneben liegende leere, glatte Stellen; aber die Falten 
haben doch nicht mehr die gewaltsam sichelartige Krümmung, 
sondern sind in ruhigeren, sanfteren Bogen geschwungen und 
das ganze Gewand zeigt eine schöne, harmonische Gruppirung 
und Contrastirung der Linien nach dem Vorbild antiker Toga- 
liguren. Es ist ein grosser, einfacher Linienschwung in dieser 
Statue, sowie eine noble Bewegung, welche in ihr trotz der 
verschiedenen Stylisirung doch antike Vorbilder herausfühlen 
lässt. Auch der Kopf zeigt viel Energie im Ausdruck und 
Schönheit in der Anordnung des l-Iaupt- und Barthaares; aber
        

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