Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408027
STATUEN FÜR m12 NISCHEN m. 
IOI 
Sockel ist ein vorzüglich ausgeführtes Akanthusranken-Ornament 
in Relief im Styl des Niccolo d'Arezzo. Die Broncefigur selbst 
wurde im Jahre 1414. oder 1419 aufgestellt. Sie zeigt die ge- 
bogene, geschwungene Stellung der deutschen Gothik, sowie 
die Schule des Andrea Pisano. Sie ist mit dem härenen Ge- 
wande, sowie mit einem die Gestalt zum grössten Theil ver- 
hüllenden Mantel bekleidet. Der Faltenwurf dieses Mantels ist 
durchaus in der Manier des Andrea Pisano und der von ihm 
abhängigen Goldschrniedschule des 14. Jahrhunderts gehalten. 
Der Stoff ist glatt, ohne feine Details und charakteristische Un- 
ebenheiten gehalten, nur grosse halbmondartige, ohne Unter- 
brechung und Kreuzung fortlaufende, nach einem gewissen 
geometrischen Schönheitsprincip zusammengeordnete Falten 
gliedern ihn. Von Natur ist hier auch nicht die leiseste und 
feinste Spur. Und diese monotonen, arrogant vertretenden, leeren, 
nüchternen Partien machen nicht einmal einen harmonischen 
und ruhigen Gesammteffect, sondern sehen aus wie die Wellen 
eines sturmgepeitschten Meeres. Wie edel, classisch, ruhig, ein- 
fach, wahr, reich und fein nimmt sich daneben das Gewand 
an der Statue des S. Marcus von Donatello aus! Wie schim- 
mert der Körper rund, geschmeidig und lebendig daraus her- 
vor, während bei Ghiberti der Faltenwurf sich der Kör- 
perbewegung nicht unterordnet, sie nicht begleitet und hervor- 
hebt, sondern durch seine unruhige, bogenartige Zerklüftung ver- 
steckt, zerschneidet und geradezu vernichtet. Dieser Faltenwurf ist 
so manirirt und für einen unverdorbenen Geschmack so unschön 
und abstossend, wie nur möglich; die Griechen hätten davor gelacht, 
während sie dem Donatello, als einem der Ihrigen, die Hand geschüt- 
telt hätten. Aber es gibt leider heutzutage nur zu viele Leute, die 
da meinen, diese erlogene, erkünstelte, hohle Manier, wie sie 
buns die Gewandung an den grossen Freistatuen des Ghiberti 
zeigt, sei Idealismus, Styl und wer weiss was sonst noch. 
Auch der Kopf an der Statue des Ghiberti ist manirirt; wenn 
auch von einer gewissen Schönheit, welche er dem darin er- 
kennbaren Studium der Antike verdankt, hält er doch mit dem 
ungleich belebteren, charakteristischeren und naturwahr model1ir- 
ten Kopf des S. Marcus und anderer Statuen des Donatello 
keinen Vergleich aus.
        

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