Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1408003
STATUEN FÜR DIE NISCHEN m. 
der Natur, aus der es hervorging, so errathen, als ob die Natur 
selbst vor ihm stünde. Vermag ein Künstler dies nicht, dann 
ist ihni das Entlehnen von Motiven verderblich, und er würde 
besser thun, sich direct an die Natur zu halten. Das schönste 
Motiv wird erst schön, wenn es mit künstlerischem Verstande 
verwerthet wird, und verliert allen Werth, sobald der Künstler 
mit dessen Rohstoff schon meint, etwas erreicht zu haben. Die 
Sprachmittel der Kunst haben schliesslich eine Grenze; es gibt 
zwar viele, aber nicht unendlich viele Bewegungen des mensch- 
lichen Körpers. Wie die glückliche und harmonische Einfügung 
des einzelnen Motivs in den ganzen Geist der Coniposition, so 
ist die lebendig empfundene Durcharbeitung dieses einzelnen, 
wenn auch nicht neuen Motivs der wahre Beweis für das Genie 
des Künstlers. 
Die Stellungen der Standbilder Donatellds sind oft die 
einfachsten und naheliegendsten, welche die Natur zeigen kann; 
die lebendige, ausdrucksvolle Auffassung und Ausführung macht 
sie interessant, künstlerisch, neu, genial. 
Im 14. Jahrhundert, wie wir sahen, mussten sich die 
ersten Bildhauer häufig Cartons zu ihren Statuen zeichnen las- 
sen; der-Grad der schönen Verhältnisse, dergeistreichen und sorgfäl- 
tigenAusführung machte dennoch ihren originellenWerth aus." 
Welch' allgemeines Aufsehen und welchen tiefen Eindruck 
das Standbild des S. Georg von Donatello auf die Künstler des 
I5. Jahrhunderts machte, das sehen wir am unmittelbarsten an 
einigen Wiederholungen desselben Motivs, das Donatello aller- 
dings ganz erfunden und geradezu typisch erschaffen hatte. 
So befindet sich im Hof des Regierungspalastes von Pistoja 
auf einer Pfeilerconsole eine kleine, einst bemalte Statue, die 
in roher Weise durchaus eine Wiederholung des S. Georg von 
Donatello bildet. Am Sockel befindet sich die Unterschrift: 
Nicoderno O. Belacci P. 1431. Ferner beündet sich eine ähn- 
liche Figur an einem Grabe in S. Giovanni e Paolo zu Venedig, 
Welches von einem Simone da Fiesole und einem Florentiner 
im Jahre 1423, dem Tommaso Mocenigo, errichtet ward. Diese 
Figur befindet sich an einem rundlichen Vorsprung einer der 
Ecken des Sarkophages und stimmt in dem langen Hals, im 
Ausdruck des Kopfes, in der ganzen Stellung völlig mit dem 
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