Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407985
STATUEN FÜR DIE NISCHEN m. 
Dämonenkraft über das Menschliche hinausdringende Sehnsucht 
und Begeisterung. Obschon sich nun Michelangelo fast aus- 
schliesslich einem solchen einseitigen Streben nach der Erhaben- 
heit des Ausdrucks hingab, so ist gleichwohl der allseitigere 
und realistischere Donatello sein Vater in der Kunst hierin, 
und der David des Michelangelo würde schwerlich ohne den 
vorhergegangenen S. Georg des Donatello entstanden sein. 
-Das Tabernakel, in welchem diese Statue ursprünglich 
ihre Aufstellung fand, ist nach dem Schema der übrigen in 
einfacher, ornamentlosei- Gothik, mit eingelegten, dunkeln Mar- 
morplatten gehalten. Es ist breit und flach, da die Statue dar- 
auf berechnet ist, nicht nur von vorn, sondern auch von den 
Seiten zu wirken. Leider wurde aus übel angebrachter Conser- 
vationswuth (um die Statue vor dem Nordwind zu schützen!) 
dieselbe im Jahre 1868 nach der Südseite gebracht und in der 
tiefen Nische aufgestellt, in welcher ursprünglich die jetzt in's 
Innere versetzte Gruppe der heiligen Familie von Simone ge- 
standen hatte. Ein Verfahren, welches schnurstracks den oben 
auseinandergesetzten Principien des Donatello zuwiderlätift und 
also schon aus diesem Grunde als eine Pietätlosigkeit gegen 
ihn betrachtet werden kann. Um so mehr aber, als durch diese 
Versetzung die Wirkung der Statue in der That bedeutend 
beeinträchtigt wird, indem man jetzt, da sie tief in der Nische 
steht, nicht mehr die Seitenblicke darauf geniessen kann, welche 
die schönsten waren; überdies aber, und das ist das Schlimmste 
und Barbarischste, ist durch diese Versetzung die Statue aus 
dem Zusammenhang mit dem Sockel ihrer Lirsprünglichen Nische 
herausgerissen worden, welches gleichfalls von Donatello mit 
einem herrlichen Basrelief geschmückt ward, das sich ebenfalls 
auf die Geschichte des S. Georg bezieht. 
Dasselbe stellt nämlich den Kampf des S. Georg mit dem 
Drachen dar. ln prächtigen Linien und im flachsten Relief sind 
die Figuren aus dem Marmor gehauen, mit wahrhaft griechi- 
schem Adel, weicher und feiner Modellirung. Links sehen wir 
die Felsenhöhle angedeutet, aus welcher der Drache hervor- 
brach, welcher sich in energischen und schönen Linien an des 
Ritters Pferd emporbäumt und ihm die Tatze auflegt. Auch 
das Pferd bäumt sich, und S. Georg, seitlich an dessen Hals 
Quellenschriften f. Kunstgesch. IX. 7
        

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