Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407977
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STATUEN FÜR DIE NISCHEN etc. 
Moor einen Gänsehals gab. Ein schlanker Hals auf starken 
Schultern und voller Brust ist gewiss eine der schönsten Jüng- 
llDgSZlCTClCII. 
Francesco Bocchi in seinem ziemlich akademisch-leeren, 
pedantischen, begriffedrescheiuden und bomhastisch-schwülstigen 
Lob dieser Statue hebt aillertlings ganz richtig auch vor Allem 
drei Dinge daran hervor: die "Wahrheit der Charakteri- 
stik, die Unmittelbarkeit des Lebens, sowie die Schön- 
heit, drei Eigenschaften. die in einer vollkommenen Statue 
vereinigt sein müssen". 
„Uncl wenn auch andere Künstler, wie Lorenzo Ghiberti, 
Brunellesco etc., gleichfalls schöne Werke geschatlen haben, in 
der Wahrheit der Charakteristik und Unmittelbarkeit der Be- 
lebung hätten sie Donatello, zumal in seiner Statue des San 
Giorgio, nicht erreicht." Ein Urtheil, dem wir vollkommen bei- 
stimmen, wenn es auch mit wenigeren und darum bestimmteren 
Wlorten hätte ausgedrückt werden können, als Francesco Pmcchi 
es thatp" 
In dieser Statue tritt zum ersten Male das sogenannte 
Terribile im Ausdruck, das in der späteren Renaissance eine 
so grosse Rolle spielte, in voller Kraft, Bestimmtheit und Schön- 
heit hervor.  Und gerade an dieses Terribile des Donatello 
hielt sich Michelangelo vielleicht mehr und einseitiger, als es 
für die Reinheit seines Styles gut war. Wenn es bei Donatello 
eben nur da hervortritt, wo der Gegenstand ein solches Aus- 
drucksmittel verlangt, während er anderseits, wie wir sehen 
werden, auch die lieblichsten, zartesten und weichsten, liichcln- 
den und holdseligen Mienen und Formen fand, wo der Gegen- 
stand, um zu seinem vollen und wahren Ausdruck zu gelangen, 
solche erheischte, so gelangt bei Michelangelo das "Ferribile, 
überhaupt die schreckliche oder doch düstere Erhabenheit zur 
beinahe ausschliesslichen Geltung. Dadurch wird .Michelangelo 
zum subjectiven Odendichter des Erhabenen in Marmor und 
gibt uns statt einer objectiven Charakteristik der mannigfaltigen 
menschlichen Erscheinungen und Ernpündtingen nur abstracte 
menschliche Scheinbilder, welche vor Allem dazu dienen, 
die bleibende Grundstinirnung der Seele Michelangcltfs aus- 
zusprechen, die philosophisch schwermtithige, mit erhabener
        

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