Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407967
STATUEN FÜR DIE NISCHEN etc. 
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vollen Augen zugleich finster und gottvertrauend empor- 
gerichtet sind. 
Vasari's Bezeichnung der Gesammtwirkung dieser Statue 
ist sehr treffend. Sie lautet: „Im Antlitz derselben strahlt die 
Schönheit der Jugend, der Muth und die Tüchtigkeit in den 
Waffen; ein stolzes, clrohendes Lebensfeuer und eine wunder- 
bare Leichtigkeit der Bewegung durchströmt den harten Stein. 
Und für-wahr, in den modernen Figuren hat man noch nie so 
viel Lebhaftigkeit und Geist im Marmor gesehen, als Natur 
und Kunst hier durch die Hand Donatellds offenbarten." 
Um so wunderbarer erscheint dieser Schwung und diese 
Leichtigkeit der Statue, als deren Umrisslinien von grösster 
Einfachheit sind und fast jede künstlerische Wirkung der Mus- 
keln durch die starre Rüstung ausgeschlossen ist. Gleichwohl 
tritt die Bewegung mit grosser Weichheit darin hervor. In 
dieser Statue erkennt man ganz besonders deutlich das mit 
Recht von mehreren Schriftstellern dem Donatello zugeschriebene 
Streben, den Marmorblock so wenig als möglich zu zerklüften, 
ihm keine isolirt herausragenden Theile zu geben, um der 
Statue dadurch eine möglichste Festigkeit und Dauer zu ver- 
leihen. Und innerhalb so streng gezogener, auf der Natur des 
Materials begründeter Grenzen ein solches Leben auszudrücken, 
das ist wahrer Styl! Wie viele Künstler glauben nur dadurch 
ihren Statuen einen Schein von Leben verleihen zu können, 
dass sie dieselben wild mit Armen und Beinen herumfahren 
lassen. Aber nicht die äusserliche, heftige und zcrfahrene Be- 
wegung, sondern die gleichsam vom Herzen der Natur aus- 
strömendc und jeden Zoll der Statue tiurchdringende wahre 
Empfindung gibt derselben auch wirklich Leben und Leiden- 
SChaft. In dem feingegliederten, trotzigen Kopf hat Donatello 
antiken Formenadel mit dem echten Typus eines Horentinischen 
Jünglings zu verschmelzen gewusst, und auch die langen Hälse 
Üntlen sich in Florenz häufig. Wenn darin einerseits zugleich eine 
Erinnerung an die schlanken, langhalsigen Figuren der Zeit des 
Giotto und Orcagna nachzuklingen scheint, so war anderseits 
gerade dieser Hals dazu geeignet, den Eindruck edler Jugend 
ZU erhöhen, den der Künstler gewiss mit demselben rich- 
Iigen Gefühl beabsichtigte, wie Schiller, als er seinem Karl
        

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