Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407953
STATUEN FÜR DIE NISCHEN 
die Schriftsteller der Renaissance ihren Künstlern zu Theil wer- 
den lassen, welche sie den Griechen gleichstellen, waren bei 
Donatello in der That berechtigt. Seit den Griechen bis zu 
Donatello, wie seit Donatello bis auf uns, sind solche W'erke 
nicht mehr geschaffen worden. Michelangelo hat ihn nicht 
nur bewundert, sondern auch unendlich viel von ihm gelernt, 
ja, ohne Donatello wäre Michelangelo undenkbar. 
Dem Donatello hat Michelangelo den Impuls zu ver- 
danken zu seinen gewaltigen, schöpferischen Männerköpfen. 
Nur dass Donatello, mit mehr Mass, den Boden der Natur 
nicht verliess und mehr die im menschlichen Antlitz latente 
Gewalt und Poesie darstellte, während Michelangelo dem 
Princip des gewaltigen und hohen Ausdrucks ganz den Zügel 
schiessen liess, Fleisch und Knochen gleichsam gewaltsam aus- 
dehnte, so dass ihnen die Naturmilde verloren ging und sie 
etwas Herbes, Unfreundliches, Kaltes annahmen. Dies gilt be- 
sonders von dem Moses des Michelangelo. 
Wenn Donatello mit dieser Statue den Typus eines edlen, 
feurigen Denkers und Propheten schuf, so gelang es ihm, mit seinem 
h. Georg, den er für die Zunft der Panzersclnnietle herstellte, 
in hinreissender Weise einen feurigen Jüngling, einen Helden 
im Schwertkamtwf für eine hohe Sache zur Anschauung zu 
bringen. 
Mit gespreizten Beinen steht er da, wie trotzig den Feind 
erwartend; Schienen und Panzerhemd bekleiden seinen Körper 
und Gliedmassen und erinnern daran, nicht blos dass er ein 
Ritter, sondern auch, dass die Panzerschmiede die Statue er- 
richteten. Den grossen oblongen Schild mit dem lüeuzeszeichen 
hält er, auf den Boden gestützt, mit der Linken vor sich; seine 
Rechte mit halbgeballter Faust. hängt frei und leicht herunter, 
ein vor dem Hals zusammengeknüpfter Mantel hängt über den 
Rücken herunter, legt sich mit einigen schönen Falten über 
den linken Oberarm und dient, sich nach Rechts hinabziehend, 
dazu, die Statue zu einer compacteren Masse zu bilden. Auf 
schlankem, vorgestrecktem Hals thront furchtlos, kühn und 
trotzig das edle Jünglings-Antlitz mit dem schönen Oval, der 
feingebogenen Nase, dem herausfordernd geschlossenen und auf- 
geworfenen Mund, den gerunzelten Brauen, unter denen die
        

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