Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407942
STATUEN FÜR DIE NISCHEN etc. 
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haben:  von einem solchen Ehrenmanne begreife ich es 
wohl, dass er hat ein Evangelium schreiben können!" Nichts 
lag dem Michelangelo ferner als Spott, wie Hermann Grimm 
meint. In der That konnten keine Worte den Charakter dieser 
Statue besser bezeichnen; in diesen emporgezogener. Brauen, 
den starken Augcnbrauenbogen, den tiefliegenden Augen mit 
den fest und ernst aufwärts gerichteten Blicken spricht sich 
das Denken des ideenreichen Philosophen aus. Dieser Ausdruck 
wird unterstützt durch den fest und ernst geschlossenen Mund, 
sowie den zugleich ehrwürdig und phantasievoll das Gesicht 
umrahmendcn Vollbart. Dieser Kunst der Congruenz des Aus- 
drucks zwischen Mund und Augenpartie, ein Geheimniss der 
Portriit- und Charakter-Darstellung, zeigt sich Donatello hier 
in hohem Grade mächtig. Hiezu kommt menschenfreundliche 
Milde, welche sich besonders in der edelgeformten, feingeboge- 
nen Nase, in dem freundlichen Zug an deren Winkeln, sowie 
in dem Schatten der Wange ausspricht. Griechischer Adel belebt 
das ganze Antlitz. Die edelsten, feurigsten und feinsten Linea- 
mente, die wundervollste, schwunghafteste Stylisirung der Haar- 
partien vereinigen sich hier mit sprcchendem Leben, sorgfäl- 
tiger Naturwahrheit und vorzüglicher wirkungsvoller Technik. 
Dem läntlitz entpricht die ganze edle und ruhige Haltung und 
Bewegung der Statue, der Fall ihres Gewandes. Die Statue 
ruht auf dem rechten Fuss und blickt etwas nach links. Der 
rechte Arm fällt gerade herunter mit einer solchen Leichtig- 
keit und Natürlichkeit, wie sie einer solchen einfachen, Linge- 
suchten Haltung wenige Künstler zu geben vermochten. Die 
schreitende Bewegung des andern Beines ist ebenso trefflich 
unter den naturwahrsten und doch stylistisch gewählten Falten 
des Gewandes aiusgecirticltt, wie die gerade Stellung des Stand- 
beines durch gerade her-abfallende Falten. Mit der linken Hand 
hält die Figur ihr Evangelium vor dem Schenkel, auf welchen 
sie es leicht stützt. Wie das Antlitz, so sind die Hände mit 
einem meisterhaften Leben und Noblesse ausgeführt, obwohl 
man noch die einzelnen Meisselhiebe daran erkennen kann. Die 
ganze Statue ist ein erstes Meisterwerk der Sculptur aller 
Zeiten; die Griechen selbst würden davor bewundernd stillge- 
standen sein, und die enthusiastischen Lobeserhebungen, welChß
        

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