Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Donatello, seine Zeit und Schule
Person:
Semper, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1406498
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1407900
STATUEN FÜR um NISCHEN m. 
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Ueber der mit einem Bogenfries versehenen Spitzbogen- 
Öffnung erhebt sich ein zwiebelförmig geschweifter Giebel, 
mit einem Engel in Relief im Styl des Niccolö d'Arezzo und 
mit gothischen Füllungsblättern in den Zwickeln. Auch die 
Fialen sind zierlich durch Rahmenvverk und eingelegten schwar- 
zen Marmor ggegliedert. Die Marmortäfelung und Intarsiatur 
von Florenz hatte am Dom genugsam Gelegenheit gehabt, 
sich zu immer grösserer Feinheit zu entwickeln; hier haben 
wir eine Blüthe derselben vor uns. 
Dass übrigens die Technik sowohl der musivischen Arbeit 
mit bunten Steinplatten, als die Intarsiatur von ausgeschnitte- 
nen Ornamenten und Figuren auch im früheren Mittelalter in 
Italien nicht unbekannt war, beweisen uns die Arbeiten eines 
Niccolö Pisano in Pisa und Siena, die noch ältere Kanzel von 
Barga, die Facade von S. Martino in Lucca etc. Auch im 
Altcrthume war diese Technik bekannt, und ist jüngst in Rom 
ein sehr schönes Ornament eines Greifen mit Akanthtisranken 
von gelbem Marmor auf schwarzem Grund gefunden 
Museo dell' arte industrielle ausgestellt worden. Des 
sprachen wir über diese Technik bereits in einer 
Schrift. 
und im 
Näheren 
früheren 
Vasari erzählt uns über die Statue des S. Marcus von 
Donatello, dass, als sie noch am Boden stand, die Consuln der 
Zunft ihre Güte nicht erkannten und nahe daran waren, ihre 
Aufstellung nicht zuzulassen; Donatello bat sie aber, sie 
möchten ihn dieselbe aufstellen lassen, er wollte ihnen zeigen, 
dass sie, wenn er noch daran gearbeitet hätte, eine andere 
Figur als vorher werden würde. Hierauf verdeckte er sie für 
vierzehn Tage mit Brettern und enthüllte sie dann, ohne weiter 
daran gearbeitet zu haben, und Alle Waren von Bewunderung 
erfüllt.  Hieran schliesst sich trefflich folgendes Urtheil des 
Vasari an, Welches er an anderer Stelle über Donatellds Werke 
sagt: „Man kann von ihm sagen, dass er ebenso sehr mit dem 
Verstand als mit den Händen arbeitete; viele Kunstwerke er- 
scheinen nämlich schön in den Räumen, WO sie hergestellt wer- 
den, stellt man sie aber nachher an einen alndern Ort, in ein 
anderes Licht oder höher, so gewinnen sie ein anderes Aus- 
sehen und erscheinen das Gegentheil von dem, was vorher-
        

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