Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1653288
Neue 
Kupferßichtechlmik. 
in der Stube, zu der neuen Gruppe. Die plötzlich ein- 
tretende Verfchiedenheit fetzt ein grundfatzlich verändertes 
Verfahren voraus. Leider ift uns aus der ganzen fpäteren 
Thätigkeit Dürers feit 1508 kein Probedruck erhalten, der 
uns über feine Technik Auffchlufs geben könnte. Nach den 
vorhandenen Anhaltspunkten kann ich mir jenen Gegenfatz 
nur durch die fchärfere Abkantung des Stichelftriches gegen- 
über der poröfen Begrenzung der geätzten Linie erklären. 
Dürer hätte demnach der Radierung auf Kupfer blos 
infoferne entfagt, als er fie mit feiner Grabfijchelarbeit ver- 
fchmolz. Die Nadel hatte fich als unzulänglich erwiefen, 
er unterordnete He daher dem längft erprobten Stichel. Er 
wahrte diefem das Uebergewicht, indem er {ich begnügte, 
feine Stiche ganz leicht vorzuätzen, um fie dann Strich für 
Strich mit dem Grabfiichel auszuputzen und zu vollenden. 
Immerhin Wäre damit der mühfeligen Stichelarbeit grofser 
Vorfchub geleiPtet und ein für Jahrhunderte gebräuchliches 
Verfahren begründet. Man vergleiche z. B. die beiden 
einander fo ähnlichen Darftellungen der Immaculata als 
Himmelskönigin: die Madonna mit der Sternenkrone aus 
dem Jahre 1508 (B. 31) und jene mit Krone und Scepter 
von 1516 (B. 32), welche {ich faft in allen Sammlungen 
neben einander geftellt finden, und man wird auf den erPren 
Blick des grofsen Gegenfatzes in ihrer Gefammthaltung 
gewahr werden  Bei näherem Zufehen wird man {ich 
aber auch in den ftumpferen, ausgefranften Strichen des 
zweiten Blattes über die Spuren der Radierung Rechenfchaft 
geben. Erfahrene Sammler und Händler haben daher längft 
den matten, grauen Abdrücken von Dürers fpateren Stichen 
den Vorzug vor den faftigen, fchwärzeren gegeben. 
1) Von der erPceren Madonna, 
Bartfch 31, beützt das königLKupfer- 
{iichcabinet in Berlin einen Abdruck 
von der unvollendeten Platte, auf 
welchem der äufsere Strahlenkranz 
der Glorie den inneren oben nicht 
gänzlich umfchliefst. Die Auffindung 
eines ähnlichen Plattenmftandes von 
einem Stiche Dürers, cieffeix Ent- 
Pcehung über das Jahr I5l4 herab- 
reicht, wäre für die Erledigung der 
technifchen Frage von größter Wich- 
tigkeit.
        

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