Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1653227
Kupferradierung. 
Verfuche in 
dabei bewenden. Er führte nur noch ein Blatt, gleichfalls 
gröfseren Formates, in der gleichen Weile mit der Nadel 
aus; es ift die heilige Familie an der Mauer (B. 43) mit S. 
Maria Magdalena und zwei Männern zur Rechten. Obwohl 
unbezeichnet, gehört das Blatt ohne Zweifel in daffelbe oder 
in das nächfte Jahr. Die in der Mitte Htzende Madonna 
mit der Perlenfchnur im Haar, dem Schleier auf dem Haupte, 
vor {ich niederblickend, ift eine der edeliten Geftalten, die 
Dürer erfunden hat. Doch auch diefes Blatt läfst {ich nur 
nach den erfien, fehr feltenen Abdrücken beurtheilen. Die 
fpäteren, gewöhnlichen Drucke von diefer, wie auch von 
den beiden zuvor geilannten Platten, geben nur ein ganz 
trockenes, leeres Gerippe der eigentlichen Arbeit, nur einen 
ganz matten Schein ihrer urfprünglichen Wirkung. Die 
feichte Stichweife vertrug eben nur eine geringe Zahl von 
Abdrücken; die Platte nutzte llCll unter der Preffe fehr 
fchnell ab. Diefe Erfahrung veranlafste Dürer ohne Zweifel, 
die neue Technik alsbald wieder aufzugeben. Dürer verftand 
es noch nicht, einer fo zart geritzten Platte durch fortwäh- 
rende Retouche die Druckfahigkeit zu erhalten oder vielmehr 
ihr immer auf's Neue durch Nacharbeiten Haltung zu geben; 
fei es, dafs er auf diefen Gedanken gar nicht verfiel, dafs es 
ihm zu mühfam erfchien  oder aber, dafs es {ich doch mit 
dem von ihm angewendeten Verfahren nicht ganz vertrug. 
Man hält die befchriebenen vier Blätter Dürers all- 
gemein für Drucke von unnlittelbar mit der kalten oder 
trockenen Nadel geritzten Kupferplatten l), und an den vor- 
liegenden Abdrücken, zumal den erften, gratigen, läfst {ich 
auch fchwerlich etwas anderes als der Effect der Schneide- 
nädel llachVveifßll. Gleichwohl kann ich die Vermuthung 
nicht ulltßfdfüCken, dafs Dürer bereits damals und an diefen 
P1355311 es verfucht habe, feine Zeichnung mittelit eines 
Aetzwaffers auf Kupfer zu fixieren, dafs aber feine Säure 
zu fchwach War, um diefes Metall genügend zu ätzen, fo 
1) Vergl, E. Harzen, über die Er- 
findung der Aetzkunft, Archiv f. z. 
Thaufing, Dürer. II. 
Künfle. 
[8597 
Ilgff, 
5
        

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