Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1653183
Das 
Diptychon 
1510, 
Infchriftt MEMENTO MEI. Dürer hat dabei offenbar an 
den fchlafenden Simfon, und deffen, den Philiftern Verderben 
drohendes Erwachen gedacht. Dazu ftimrnt eine ganz reizende, 
leichte Federfkizze in der Sammlung Hausmanns zu dem 
andern rechten Flügel des Diptychons; dort fleht man an 
gleicher Stelle in einem Sarge eine Leiche liegen, welche, 
unmittelbar unter der Auferllehung, wohl nur die Leiche 
Chrifti bedeuten kann. Dürer hat bei der Ausführung diefe 
allzu verftändigen Zuthaten klüglich fallen laffen. Und welch" 
eine Ausführung ilt das! Es ift das Feinfte und Vollendetfte, 
was Dürer in linearer Zeichnungsart gemacht hat. Die 
Umriffe und Schraffierungen lind fchwarz und weifs auf 
violettgrauem Grunde mit folcher Zartheit und Beflimmtheit 
gezogen, dafs felbft ein fo genauer Kenner der Technik, 
wie Adam Bartfch, dahinter einen Stich als Grundlage ver- 
muthen konnte 1). 
Auch in der Kupferitichkunfi begnügte fich Dürer nicht 
mit der bereits erlangten Meifterfchaft. Er trachtete nicht 
blofs feine Stichelführung zu noch gröfserer Feinheit und 
Freiheit auszubilden, er fuchte zugleich rafllos nach neuen 
technifchen Mitteln zu ihrer Vervollkommnung. Gleich nach 
feiner Rückkehr aus Venedig befafste er flch zwar weniger 
als fonft mit dem Grabfiichel. Er hatte flch, wie wir fahen, 
ganz der Tafelmalerei gewidmet in dem Wahne, als könnte 
er die Ungunft der heimathlichen Verhältniffe durch ge- 
fteigerten Kraftaufwand zwingen. Im Jahre I 507 vollendete 
er blos das frühefte Plättchen feiner Kupferftichpaffion, die 
Kreuzabnahme; zwei andere folgten im nachften Jahre nach. 
Aus dem Jahre 1508 flammen auch die kleine Madonna 
mit der Sternenkrone auf dem Halbmonde fiehend und dem 
Kinde eine Birne reichend (B. 31), dann der heilige Georg 
zu Pferdei); Andachtsbildchen für den Bedarf des Marktes; 
I) Catalogue de la C011, du Prince 
de Ligne, l794, S. 139: vdessin 
d'une exactitude si ätonnante, que 
l'on croirait presque, que les contours 
en sont graväs et retravailläs au 
pinceau par Dürer lui mämea etc. 
2) B, 54.. Vergl, jedoch auch oben 
Bd_ I. S. 324.
        

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