Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1653025
Sculpturen, 
beiläufig unferen gewöhnlichen deutfchen Drucklettern ent- 
fpricht, noch an, befonders in frühen Infchriften; fie er- 
fcheint auch noch auf der Widmungstafel unten am Rahmen 
des Allerheiligenbildes; aber er ift weit entfernt von dem 
fpäteren lrrwahne, als feien diefe altmodifchen gothifchen 
Lettern deutfchen Urfprunges oder deutfchen Charakters. 
Seine Vorliebe hängt entfchieden an jenem Renaiffance- 
Alphabet, das er durch feine fpitzfindigen Conflructioneil 
zu feinem geiltigen Eigenthum gemacht hat. Die Erinnerung 
daran lebte in Deutfchland noch bis tief in's XVII. Jahr- 
hundert fort. Arnold Möller, Schreibmeifter zu Lübeck, 
widmet ihm in feinem 1642 veröffentlichten vSchreibbüch- 
leim ein Blatt mit feinem Bildniffe in Kupfer, darunter die 
Worte: vHerr Albrecht Dürer, der bei Lebzeiten H. Johann 
Neudörffers zu Nürnberg die Romanifchen Verfal-Buchflaben 
in rechter Proportion erft abgetheilet und befchrieben: auch 
in fo viel andern Künfleiw. excelliret hat, fein ruhmwürdiger 
Name, fo lange die Welt fleht, wohl bleibeta etc. Wenn 
daher gleichwohl, im Gegenfatze zu den anderen gebildeten 
Nationen des Abendlandes, der moderne Gefchmaek in 
Deutfchlaxld nicht durchdrang, und der gothifche, mittel- 
alterliche, feinem Urfprunge nach franzöfifche Gefchmack 
heute noch die äufsere Form des deutfchen Schriftthtunes 
beherrfcht, fo hat Dürer am allerwenigilen Schuld daran. 
Was die Holzfculpturen an dem Rahmen des Aller- 
heiligenbildes betrifft, fo erinnern fle Ptark an die Art des 
Albert Kraft. Ohne Zweifel hat llC Dürer blos vorgezeichnet 
und dann von einem berufsmäfsigen Bildfchnitzer ausführen 
laffen. Die Figuren unterordnen flch gefchickt der archi- 
tektonifchen Gliederung, als Flachrelief an dem itark aus- 
ladenden Fries, als Hochrelief in der verfenkten Füllung 
des Tympanon, rundgearbeitet zum Schmuck der Archivolte. 
Wie aber fleht es um die vielen anderen Bildwerke in 
Holz, Kehlheimer Stein, Elfenbein und anderen Stoffen, 
welche Dürer allerwärts zugefchrieben werden? Die meiften 
find durch nichts, als durch das, ja immer fouleicht bei-
        

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