Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652985
Architektur. 
Erfahrung und Zollftab begründen läfst. Viele gute Mufter 
xantikifcherr Baukunft bot freilich das damalige Venedig 
noch nicht dar. Doch fehen wir die von lombardifchen 
Bildhauern eingebürgerten Zierformen mächtig in Dürer 
nachwirken. Von Zeichnungen ift hier namentlich eine 
heilige Familie von I 509 im Mufeum zu Bafel zu erwähnen. 
Mit der Feder entworfen und coloriert, zeigt fie das Innere 
einer herrlichen, luftigen Halle mit einem, von Säulen ge- 
tragenen, caffettierten Tonnengewölbe 1). Eine fehr figuren- 
reiche Äusführung Chrifti zur Kreuzigung in der Albertina, 
ungemein flüchtig und genial mit der Feder hingeworfen, 
mit reizenden Renaiffaxicemotiven, darunter ein kleines Portal 
mit Giebelflurz und {ich verjüngende Säulen von auffallend 
vorgefchrittenem Charakter, dürfte aus dem Jahre 1511 
itammen. Eine merkwürdige, in ihrer Art einzige Architektur- 
zeichnung aus der heften Zeit Dürers befitzt Herr v. Beckerath 
in Berlin. Es ift ein heiteres Project zur Bemalung eines 
Haufes, auf einem grofsen Querblatte mit der Feder in 
blauer Tinte entworfen. Nur zwei gothifche Tragfteine am 
oberen Rande und die drei verfchiedenen Fenfteröffnungen 
darunter {ind mit Biiter gezeichnet. Auf den Flächen da- 
zwifchen ift leicht und luftig ein gerades Gebälk angeordnet, 
das "auf Säulen mit glatten Schäften und korinthifchen Capitälen 
ruht; darüber Guirlanden von Blättern, Blumen und Früchten. 
In den Durchblicken fleht man links ein Weib mit einem 
Kinde und einen Mann, rechts einen zwifchen den Säulen 
hervorlugenden Narren angebracht in malerifch fpielender 
Weife, wie fie auch Holbein bei folchen Aufgaben walten 
liefs. In Ermangelung dauernder Anfchatitmg von guten 
Muftern gerieth Dürer jedoch leicht in realiftifche Willkür. 
Das Renaiffancekorn verwilderte fozufagen wieder in dem 
nordifchen Klima. Wir erfehen dies aus dem grandiofen 
Holzfchnitte, der Ehrenpforte Kaifer Maximilians von 1515 
1) Eine Copie darnach, mit Feder 
in Tufche gezeichnet auf braunem 
Grunde und mit Gold aufgchöht, be- 
{ltzt das königl. Kupferfiichcabinet zu 
Dresden. Abbild. in der Gazette des 
Beaux-Arts 1877. I1. S45.
        

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