Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652978
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XIII. 
Der 
Künftler 
und 
der 
Menfch. 
dem Zufatze zu fchliefsen, mufs der Aufrifs doch ein ziemlich 
eingehender gewefen fein. Einen Beleg für Dürers Ruf als 
Architekt liefert auch noch der humorifiifche Brief von 
Charitas, der gelehrten Schwefter Pirkheimers, der Aebtiffin 
bei S. Clara an die Abgefandten Nürnbergs auf dem Reichs- 
tage zu Augsburg 1518. Darin heifst es von Dürer: bDCS- 
gleichen mag auch Herr Albrecht Dürer, der ein Zeichenmeifier 
und Ingeniofus ift, die Ordensgebäude zur Genüge wohl 
anfehen; wenn wir dereinft unferen Chor anders bauen 
würden, dafs er dann Hilfe und Rath zu geben Wiffe, um 
weite Schlupffenfter zu machen, auf dafs uns die Augen 
nicht gar erblindenr. Wir wiffen aber nicht, wo und ob 
flch Dürer als Baumeifter praktifch bethätigt hat l). 
Thatfachlich ifi der Rahmen zum Allerheiligenbilde 
das einzige ausgeführte Denkmal, das von Dürers Architektur 
auf uns gekommen iPr. Wir mufsten ihn daher einer ein- 
gehenden Betrachtung würdigen. Es ift immerhin merk- 
würdig, bis zu welchem Grade bei Dürer bereits im Jahre 
1508 die Vertrautheit mit den Bauformen der Renaiffance 
gediehen war. Die Ueberzetxgung von deren Berechtigung 
war fchon viel früher in ihm lebendig, und er verfuchte 
wenigfiens in dem architektonifchen Beiwerk feiner Compo- 
fitionen derfelben Ausdruck zu geben. Anfange davon zeigt 
ja fchon das Marienleben und die grüne Paffion von 1504, 
z. B. die canellierte Säule auf der Geifselung, bei der ihm 
die korinthifche Ordnung dunkel vorgefchwebt haben mochte. 
Doch erft der zweite Aufenthalt in Venedig mag Dürers 
Verftändnifs und Vorliebe für die neuen, claffifchen Bau- 
formen wefentlich gefördert haben. Denn fo felbfibewufst 
und zähe Dürer malerifchen Vorbildern gegenüberfteht, um 
fo gelehriger verhält er fich zu Werken der tektonifchen 
und plaiiifchen KunPc, deren Ebenmafs, auf eine Summe 
überlieferter Kenntniffe geftützt, (ich auch mit Verftand, 
I) Was ihm in Nürnberg traditio- 
nell zugefchrieben wird, entbehrt jeder 
Beglaubigung z. B, das Mafswerk bei 
Heideloff, Ornamente des Mittelalters 
1838. B. II.
        

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