Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652846
Das 
A1lerheiligenbild_ 
mälden bildet die Dreifaltigkeit, zunächil verehrt von der 
Jungfrau Maria und Johannes dem Täufer, den höheren 
Mittelpunkt, umfchwebt von Engelschören und himmlifchen 
Heiligen, darunter in Anbetung und Betrachtung die ver- 
fchiedenen Vertreter der Kirche auf Erden; beide Gemälde 
fchliefsen oben bogenförmig ab  aber welch' ein grofser 
Abfland, welcher Gegenfatz zwifchen dem Werke des 
Italieners und dem des Deutfchenl Raphael läfst den fieg- 
reich auferftandenen Chriftus in der Mandorla thronen; feine 
heiligen Apoftel und Märtyrer zu beiden Seiten find felbft- 
bewufste, unabhängige Charaktere, auf den Wolken thronend 
den olympifchen Göttern vergleichbar; feine Theologen und 
Kirchenväter, die da um das heilige Sacrament zu lebhaften 
Difput verfammelt find, bilden bewegte mannigfaltige Gruppen, 
aus denen ein Heer von geiftigen Gegenfatzen fpricht; von 
der Demuth des auf die Stufen des Altars hinfmkenden 
jünglings bis zu dem trotzigen Widerfpruche der zur Linken 
flch abkehrenden Häretiker. In drei Halbkreifen baut Raphael 
feine Anfchauung vom römifchen Kirchenideal auf; in voll- 
endeter Formenfülle ergeht er flch auf breiter Wandtläche; 
er malt im Mittelpunkte der ganzen katholifchen Welt für 
deren geifiliches Oberhaupt. 
Dürer dagegen malt feine mäfsig grofse Holztafel für 
den Nürnberger Rothfchmied und Metallgiefser, fur den 
Altar einer Verforgungsanftalt von verarmten Mitbürgern. 
So fpiegelte frch der chriltliche Himmel in einer deutfchen 
Seele! Da ift keine Verfarnmlung von gewiegten, auf fich 
felbft beruhenden, einander widerftreitenden Geiftern, ab- 
fchliefsend in mafsvoller Begrenzung. Alles geht hier auf 
in einem einzigen jubilierenden Gefühle, in der Freudigkeit 
an der Erlöfung der Creatur von allen Leiden durch das 
Myfterium des einen göttlichen Leidens. Welch' ein Ge- 
dränge von endlofen feligen Heerfchaaren, die aus der leuch- 
tenden Ferne hinfireben nach dem Urquell des Lebens! 
Und da thront in unbefchreiblicher Hoheit Allvater und 
hält von feinem Schoofse herab das weltbegnadende Ver-
        

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