Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1656009
Ueber 
Schöne, 
das 
Gute. 
und 
Wahre 
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dreihundert Menfchen, clafs man kaum eins oder zwei 
fchöner Dinge an ihnen Endet, die zu brauchen lind. Darum 
thut es noth, fo du ein gutes Bild machen willft, dafs Du 
von Etlichen das Haupt nehmefl, von Anderen die Bruft, 
Arme, Beine, Hände und Füfsee etc.  alfo der reine 
Eklekticismusl Doch befcheidct fich Dürer fchliefslich beim 
Mafshalten und bei dem allgemeinen Gefchmacksurtheil: 
wZwifchen Zuviel und Zuwenig ifl ein rechtes Mittel, das 
befleifse dich zu treffen in allen deinen Werken. Etwas 
ichön zu heifsen, will ich hier fo fetzen, wie man das Recht 
gefetzt hat: was alle Welt für recht fchätzt, das halten 
wir für Recht; alfo was alle Welt für fchön achtet, das 
wollen wir auch für fchön halten und uns das befleifsen zu 
machem 1)! 
Das Ware alfo eine echt hiftorifche Auffaffting des 
Schönheitsbegriffes, bei welcher Dürer um das Jahr 1512 
angelangt ift; und fo viel er auch in der Folge noch dar- 
über nachgedacht und gefchrieben hat, er ift darüber doch 
nicht hinausgekommen. Freilich ift damit dem fchaffenden 
Künftler a priori kein Wink, keine Hilfe geboten, fondern 
blos eine nachträgliche Erfahrung. Dürers Gleichnifs flirnmt 
aber: Die Kunft eines Volkes ift gewachfen, wie fein Recht, 
und fo wie das Gute, ift auch das Schöne nicht das Ver- 
flandesproduct eines Einzelnen, fondern das Ergebnifs einer 
langen Reihe und eines reichen Inbegriffes von wirkenden 
Kräften, feien diefelben nun auf viele Individuen vertheilt 
oder durch glückliche Fügung in einem einzigen Genius 
vereinigt. Ein folcher war allerdings Dürer. Doch blieb 
bei aller feiner Speculation fein künftlerifchesrSchaffen ein 
tirfprtingliches und naives; ja feine Unbefangenheit und Frei- 
heit nahm in den fpäteren Jahren eher zu als ab. Sobald 
er auf das Wefen der künftlerifchen Thätigkeit zu fprechen 
kommt, dann weifs er nichts mehr von der Theorie, weder 
von der Nachahmung der Antike, noch von der Compofition 
jahrbücher 
Kunßw. I,
        

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