Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1655980
Ueber 
Antike und 
Natur. 
329 
edle, erfundene Kunil, die da durch grofse Mühe und Ar- 
beit zufammengebracht ifi, nicht fo jämmerlich unterdrücken 
und gar tödten, denn die Kunft ift grofs und fchwer und 
wir mögen und wollen He lieber mit grofsen Ehren in das 
Lob Gottes wenden; denn in gleicher Weife, wie fie die 
fchönfte Geftalt eines Menfchen ihrem Abgotte Apollo zu- 
gemeffen haben, alfo wollen wir diefelben lVIafse brauchen 
zu Chrifto dem Herren, der der fchönftc aller Welt ift; und 
wie lie Venus als das fchönPre Weib gebildet luaben, alfo 
wollen wir diefelbe zierliche Gellalt in keufcher Weife bei- 
legen der allerreinften Jungfrau Maria, der Mutter Gottes; 
und aus dem Hercules wollenwir den Samfon machen; 
desgleichen wollen wir den anderen allen thuna. 
Doch kehrt Dürer immer wieder zur Natur zurück. 
Aus ihr allein rliefsen ihm die Quellen der Schönheit, die 
der Schöpfer hineingelegt hat. Wiederholt erinnert er, vder 
rechten natürlichen Eigenfchaft lleifsig anzuhangenw und 
wder Natur nichts abzubrechen und ihr nichts Unerträgliches 
atlfztllegem. Er warnt vor allem Ueberfchreiten der in der 
Natur gefteckten Grenzen: vDoch hüte fich ein Jeder, dafs 
er nichts Unmögliches mache, das die Natur nicht leiden 
könnte; es wäre denn, dafs Einer ein Traumwerk machen 
wollte, in folchem mag man allerlei Creatur untereinander- 
IIIifChCIM 1). Liegt nun aber auch alle Schönheit in der 
Natur befchloffen, fo befteht doch für die befchränkte 
Menfchenkraft die grofse Schwierigkeit, fle zu erkennen und 
im Bilde wiederzugeben, xdenn es ifi nicht eine kleine Kunft, 
viel unterfchiedliche Geftalten der Menfchen zu machen; die 
Ungeftalt will fich von felbft ftets in unfer Werk flechten. 
Ein fchönes Bild zu machen, kannft du von Einem Menfchen 
nicht abnehmen, denn es lebt kein Menfch auf dem Erd- 
reich, der alle Schöne an fich habe  er könnte immer 
noch viel fchöner fein. Es lebt auch kein Menfch auf Erden, 
der fchliefslich fagen könnte, wie die allerfchönfte Geftalt 
Proportionsl, 
111. 
[Iba 
und
        

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