Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1655806
XVillkfn; 
Naturalismus. 
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Dürers Hand, doch mit der falfchen Jahreszahl 1513 findet 
{ich auf einem Blatte in der Helleffchen Sammlung auf der 
königlichen Bibliothek zu Bamberg. Dann folgt das Denk- 
mal auf den Sieg über auffländifche Bauern, das {ich aus 
lauter ländlichen Gefafsen und Geräthfchafterl zufammen- 
fetzt; es trägt als Bekrönung, über einer Hühnerfteige auf 
einem Schmalztopfe fitzend, einen trauernden, vom Schwerte 
durchbohrten Bauern. Vortrefflich entworfen ift eine Gruppe 
gefeffelten Viehes, welche um den Fufs diefes Denkmales 
angeordnet ift: Schafe, Schweine und zwei Rinder, nament- 
lich die letzteren fehr gefchickt verkürzt und ungleich natur- 
wahrer als alle früheren Darftellungen der Art. Der Ent- 
wurf dazu in Federzeichnung befindet {ich im Britifchen 
Mufeum. Endlich giebt Dürer demjenigen, welcher einem 
Trunkenbold auf fein Grab ein Denkmal aufrichten wollte, 
folgendes böfe Recept: xErfilich fein Grab (eine Art Sarko- 
phag), daran ein Epitaphium machen, das die Wolluft mit 
Gefpött lobet, und auf das Grab eine Biertonne aufrecht 
ftellen und oben mit einem Brettfpiel zudecken; darauf zwei 
Schüffeln übereinander fiürzen, darin wird Frefferei fein, 
darnach auf der oberen Schüffel Boden geftellt einen weiten 
niederträchtigen Bierkrug mit zwei Handhaben; das decke 
mit einem Teller zu und ftürze darauf ein hohes umgekehrtes 
Bierglas und fetze auf des Glafes Boden ein Körblein mit 
Brod, Käfe und Buttere. 
In der That zu gute Scherze, als dafs man fie ernft- 
haft nehmen follte! Man täufchte fich denn doch, wenn 
man glaubte, Dürer hätte einen, etwa an ihn gelangenden 
Auftrag wirklich in folcher Weife ausgeführt. Das find 
Producte des trockenen Verftandes und eines eben fo 
trockenen Humors, die mit den freien Kunftfchöpfungen 
wenig gemein haben. Auch ift nicht etwa anzunehmen, 
dafs die Phantafle und Empfindung Dürer in feinen letzten 
Jahren für derlei Zierwerk verfagt habe. Statt jeder Ein- 
wendung gegen diefe Annahme diene die beifolgende Ab- 
bildung einer Zeichnung in der k. k. Ambrafer Sammlung
        

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