Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1655785
Stilmifchung. 
Willkür. 
309 
Schreibmeifler zu Nürnberg, deffen Formular 1600 zu Augs- 
burg wieder erfchien 1). 
Man fleht deutlich, dafs Dürer einen principiellen Gegen- 
fatz zwifchen Gothik und Renaiffance gar nicht kennt, und 
es ift dies ganz bezeichnend für einen Meifter, der mitten 
in der Stromfchnelle des Ueberganges fleht. Der alte, wie 
der neue Stil hat Ueberzeugendes für ihn, und er vermeint 
beide zu verbinden und in einander überzuleiten, ohne ihnen 
Gewalt anzuthun. Diefe vermittelnde Anfchauung iPc vor- 
bedeutend und mafsgebend geworden für die ganze deutfche 
Renaiffance-Kunft; und das zwar im Vereine mit einer 
ferneren Eigenthümlichkeit, die auch bereits bei Dürer in 
der weitgehendften Weife vorgebildet ifi, nämlich der Frei- 
heit und Willkür, welche jedem Einzelnen verftattet wird. 
Dürer hält die Bauformen nicht für etwas hiftorifch Ge- 
wordenes, aus den Beftrebtingen eines ganzen Volksthumes 
Hervorgegangenes, fondern für Erfindungen einzelner be- 
gabter Meifter. Als der vornehmfle und nachahmens- 
werthefte unter ihnen erfcheint ihm zwar Vitruv. Das foll 
aber die neuen Batimeifter keineswegs in der freieften Er- 
findung des Einzelnen einfchränken, zu welcher Dürer viel- 
mehr ausdrücklich einladet und die Beifpiele liefert: ies 
möge fich übrigens jeder bemühen, etwas Weiteres und 
Fremdes zu finden, denn in den Theilen ift nicht ein Ding 
allein  gut, fondern viele Dinge find gut, wer fie weifs zu 
machen; darum mufs man darnach fuchen, wie denn der 
hochberühmte Vitruvius und Andere gefucht haben und gute 
Dinge gefunden; aber damit ift nicht aufgehoben, dafs nicht 
Anderes, das auch gut fei, gefunden werden möge und 
fonderlich in den Dingen, von denen nicht bewiefen werden 
kann, dafs fie auf das Belte gemacht lllldq. So heifst es 
in der weitläufigen Befchreibung einer überaus kraufen Säule, 
welche Dürer beifpielsweife liefert (Fol. G. 1111) und die 
er mit den Worten einleitet: xSo man aber von dem ganzen 
Vergl, 
oben 
auch 
42a, 
111, 
Heller, 
Abth. 
938,
        

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