Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1655772
308 
XVII. 
und 
Tod 
Krankheit, 
fchriftlicher Nachlafs. 
Wiffenfchaft, auf Welchem {ich Dürers Kenntniffe in Mathe- 
matik, Geometrie, Perfpective befinden, zu beurtheilen. Um 
fo merkwürdiger {incl uns die künftlerifchen Nutzaxiwendungen, 
welche er davon macht. Sie fiehen zum Theil noch unter 
dem Einfluffe der fpätgothifchen Bauweife, welche damals 
in Nürnberg noch die Kunfigewerbe, insbefondere das Gold- 
fchmiedehandwerk, fafl ausfchliefslich beherrfchte. Begreif- 
licherweife Pcand die Geheimlehre der alten Bauhütte bei 
Dürer, dem gelernten Goldfchmicde, in hohem Anfehen und 
in der vUnterweifungx heifst es oft, dafs die wlcünftlichen (fo 
viel wie: kunftreiichen) Steinmetzen hübfche, feltfame, wunder- 
liche Dinge zu machen wiffexm. Mittelft der Regeln des 
wdeutfchen StClIIIIICtZCIIgYLIHdCS(f conltrrliert Dürer dann nicht 
blos gothifchc, fondern auch antikifierende Formen, indem 
er die geometrilche Schneckenlinie zu einem vHorneiffem 
d. i. einer Volute an einem Capitäl und zu den Laubboffen 
oder Krabben eines Bifchofftabes, die Parabel zu einem 
Thurmdache und zu den Blättern eines korinthiüerenden 
Capitäls verwendet. In Verbindung mit den aus dem Auf- 
riffe verfchränkter Vielecke Üch ergebenden Durchkreuzungen 
von Linien werden gleicherweife Pfeiler fpätgothifchen Stiles 
und antikifierende Säulen hergeflellt und eine Reihe iüber- 
fchiefsender Geflmfe, die man unten an den Pfeilern brauchte, 
theils der einen, theils der anderen Stilform angehörend, 
Pcehen zur Auswahl neben einander. Daneben wieder viel 
feltfames Mafswerk aus dem Zirkelbogen gebildet und ein 
künftliches Netzgewölbe für diejenigen, welche xgrofse Liebe 
haben zu feltfamen Reibungen in den Gewölben zu fchliefsen 
von Wohlftandes wegena. Schliefslich conftruiert Dürer mit 
Zirkel und Richtfcheit die Buchftaben des antiken fowohl, 
wie des gothifchen Alphabetes, und zwar von erfterem 
mit befonderer Sorgfalt die fchöne Majuskel, von letz- 
terem blos eine allzu nüchterne Minuskel. Diefer Theil 
von Dürers Schrift iPt öfter von Kalligraphen befonders 
benützt worden, fo 1529 in dem zu Saragoffa erifchienenen 
Werke des Juan de Yciar, 155 3 durch Wolfgang Fugger,
        

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