Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1655680
Erasmus' 
und 
Melanchthons 
T0dtenklage. 
299 
er beobachtet auch vollkommen. Symmetrie und Harmonie. 
Ja er weifs auch das gar nicht Darftellbare, als Feuer, 
Strahlen, Gewitter, Blitz, Wetterleuchten und Nebel, wie üe 
fagen, auf die Leinwand zu zaubern; alle Leidenfchaften, 
die ganze aus dem Körper hervorleuchtende Seele des 
Menfchen, ja faP: die Sprache felbfl. Das alles ftellt er 
mit jenen fchwarzen Linien fo glücklich dem Auge dar, 
dafs dem Bilde eine Unbill widerführe, wenn man es mit 
Farben überginge. IP: es nicht bewundernswürdiger ohne 
den buhlerifchen Reiz der Farben das zu leilten, was Apelles 
mit Hilfe derfelben geleiftet hatr i)? 
Ob Dürer die akademifche Lobeserhebung des berühm- 
ten Gelehrten noch zu Gefichte bekommen hat, ift nicht 
bekannt. Sein bald darauf erfolgtes Ableben ftempelte die- 
felbe zu einer Grabrede, was f1e keineswegs hatte fein follen. 
In der That machte die Nachricht vom Tode Dürers wenig 
Eindruck auf Erasmus. Am 26. April beflätigt er Pirk- 
heimern den Empfang eines Briefes, der ihm zu grofsem 
Trolle gereicht hätte  und doch war dies ohne Zweifel 
der Brief mit der Trauerbotfchaft. Dann fchreibt er weiter: 
vWas nützt es Dürers Tod zu beklagen, da wir ja alle 
Pcerblich Ünd? Ein Denkmal ifi ihm gefetzt in meinem 
Büchleim  als 0b Dürer für feine Unfierblichkeit des 
Rotterdanler 
Nothhelfers 
bedurft 
hätte 
Dann 
erzählt 
Eras- 
mus gleich weiter von einem Gerüchte, das die Gelehrten 
zu Bafel Lingemein erheitert habe 2). Die eilige Gleich- 
giltigkeit, die aus diefen Worten fpricht, ift um fo merk- 
würdiger, als lie gewifs mit der Art, wie Pirkheimer den 
Tod Dürers gemeldet hatte, im fchneiclenclfien Gegenfatze 
Hand. Er war durch den Verlufl des Freundes zu tief 
I) Erasmus, De recta latini grze- 
cique sermonis pronuntiatioxme. Ulrich 
Hegner, H. Holbein S. 137. H. Grimm 
a. a. O. 142-143. Zu derfelben 
Zeit, aim 29. INIärz 1528, fchrieb 
Erasmus an H. Botteus: Dürer por- 
trätierte mich, aber ohne eine Spur 
von Aehnlichkeit_ 
2) Quid attinet Dureri mortem de- 
plorare, quum simus mortales omnes? 
Epitaphium illi paratum est in libello 
meo, Allatus est huc rumor, qui 
mire doctos exhilaruit etc, Pirkhei- 
nleri Opera. 281,
        

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