Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1655474
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XVI. 
Reformation. 
Werkes der anderen keineswegs gleich. Insbefondere Petrus 
ift ganz breit angelegt und blos einzelne Feinheiten Ünd dar- 
über gefetzt. Durch eine fpätere Uebermalung fcheint fogar 
das Profil des Johannes verändert zu fein, indem die Aus- 
ladung von Stirne und Nafe merklich verflärkt wurde, wie 
noch deutlich an dem Pentimento erfichtlich ifl. 
Auf der rechten Hälfte erfcheint der eigentliche Held 
des Meiiters, Paulus, der Heidenapoftel, eine der grofszartigften 
Geftalten, an Erfindung nur vergleichbar Dürers Chrifhlsideal. 
Freilich kommt fein Paulus an Seelenadel dem göttlichen 
Dulder nicht gleich, der Petrus befahl das Schwert in die 
Scheide zu Hecken. Er ift nicht der Märtyrer, vielmehr der 
Mann des Kampfes, der das mächtige Schwert in der Faui": 
hält, mehr um felbft zu richten, als um gerichtet zu werden. 
Betrachtet man diefe breite markige Figur, wie lie feft auf 
den Füfsen dafteht, ganz von den Falten des langen, weifsen 
Mantels verhüllt, unter dem blos ganz unten am Fufse 
und oben an der rechten Handwurzel ein wenig von dem 
blutrothen Untergewande hervorblickt; wie diefes fonnen- 
gebräunte, rundgewölbte, knochige Haupt auf dem Stier- 
nacken ruhig von der Seite herausblickt, wie aus einem 
Hinterhalte, die Zornader an der Schläfe gefchwellt: da 
glaubt man, er müfste im nächften Momente losbrechen 
mit Wort und Hieb, um zu liegen, zu vernichten. Und 
hinter ihm Pceht blafs und bebend vor krampfhafter Auf- 
regung fein Begleiter Marcus, der Evangelift, als fuchte er 
begierig den Gegner, als fchaute er aus nach des Meifters 
künftiger That. Die Unruhe in dem verftörten GCllClItC 
des Marcus wird gegenwärtig noch dadurch vermehrt, dafs 
die Farbe im Fleifche flark zerriffen iPc. Ein fchädliches 
Pigment fcheint diefe Riffe in dem kalten grauen Tone 
fchon frühzeitig veranlafst zu haben. Derfelbe Pceht in flarkem 
Gegenfatze zu der tiefen röthlichen Hautfarbe des Paulus, 
deffen Lebendigkeit  auch durch die daraufgefetzten hellen 
Glanzlichter noch erhöht wird. Uebrigens ift St. Paulus, 
und nur diefer mit grenzenlofer Liebe bis in's Kleinlle aus-
        

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