Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1655393
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XVI. 
Die Reformation. 
auf lichtgrünem Grunde, ganz wenig gehöht mit Weifsftift; 
vier davon befinden {ich in der Albertina, eine fünfte, Judas 
Thaddaeus fitzend, im königlichen Mufeum zu Berlin. Von 
der gleichen flüchtigeren Behandlung, die Dürer damals mit 
Vorliebe übt, befitzt die Albertina einen grofsartigen, 
packenden Compofltionsverfuch, echt bezeichnet von 1521, 
der in mehr als einer Hinflcht Beachtung verdient. Es ift eine 
Verfuchung des heiligen Antonius. Der Greis {itzt in einen 
weiten Mantel gehüllt auf einem niedrigen Steine, einen 
langen Pilgerftab in der Hand und gegen linkshin vorgebeugt 
zur Erde blickend, wie beftürzt {ich abwendend vor der Er- 
{cheinung eines herrlichen verlockenden Weibes, das rechts 
aufgetaucht iPr, faft nackt, nur mit der Linken ein Linnen 
in den Schoofs heraufziehend, deffen Fortfetzung über den 
rechten, dem Heiligen entgegengeftreckten Vorderarm ge- 
{chlagen ifi. Die ungemein edlen Formen diefes einfchmeichelnd 
vorgebogenen Frauenleibes müffen bei Dürer überrafchen 
und erklären {ich nur aus dem Umfiande, dafs ihm das 
obenerwähnte prächtige Silberftiftftudium, das er aus den 
Niederlanden mitbrachte, jetzt bei I. Malcolm, als Behelf 
gedient hat; er hat den Körper nur ein wenig mehr von 
vorne genommen. Noch merkwürdiger ift, dafs er dem 
Heiligen genau jenen durch einen faunifchen Zug {o auf- 
fallenden Apofielkopf vom Jahre 1508 aufgefetzt hat, deffen 
Studium {ich auch in der Albertina befindet, blos die Haube 
hat er weggelaffenl). So {orgfam verwerthet Dürer immer 
wieder das Capital {einer Studien, ohne dafs die dramatifche 
Lebendigkeit {einer Compofitionen dadurch Eintrag erleidet. 
In einer jener Kreidezeichnungen der Albertina, einem 
Apoftel, der die Hände faltend nach oben blickt, alfo wohl 
St. Johannes, hat man wegen einer {ehr entfernten Aehnlich- 
keit des Kopfes mit dem Porträte Martin Luthers, das 
Bildnifs des letzteren erkennen wolleni); ganz mit Unrecht, 
I) S. obenII_S_ 18. Nr, I4, Es ift der 
Kopf jenes Apoftels im Hiznmelfahrts- 
bilde, der im Hintergrunde rechts mit 
der Rechten empordeutet, 
2) Rudolph Weigel: Dr, Martin 
Luther, abgebildet von Albrecht
        

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