Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1655361
Muffe]. 
Holzfchuherl 
Apoüelbilder. 
273 
und das fchräge Herausblicken von der Seite verleiht den 
wohlwollenden Zügen einen Anflug von Schalkhaftigkeit. 
Der rofige Fleifchton ftraft das Weifs in Haar und Bart 
Lügen. Die warme, offenbar individuelle Farbe des Fleifches 
erleidet durch die Abtonung in feine graue Schatten keine 
Einbufse, und die Haare an Scheitel und Bart find mit 
einer Sorgfalt und Leuchtkraft ausgeführt, wie iie Dürer 
nur in feiner beften Zeit anwandte. Von dem dunklen 
Pelzwerke und dem fchwarzen Damaft des Rockes fiechen 
diefelben grell ab; doch rnufs der lichtere fieingrüne Hinter- 
grund zu dem Silberweifs vortrefflich geflimmt haben. Der- 
felbe ward leider zu Anfang unferes Jahrhunderts von Rotter- 
mund ganz dunkel übermalt bis auf den Streifen mit der 
Schrift links oben. Dabei haben nur die angrenzenden 
Haarpartien ein wenig mit gelitten. Auch vereinzelte Re- 
touchen im F leifche find fo geringfügig, dafs der fonft vor- 
züglichen Erhaltung des Bildes dadurch kein Eintrag gefchieht. 
Das Täfelchen hat noch den urfprünglichen Rahmen oder 
das Futteral mit einem verfchiebbaren Deckel, auf welchem 
mit breiten Pinfelficrichen das Wappen der Holzfchuher in 
einem Kranze gemalt ift. 
So fehen wir Dürer am Schluffe feiner künftlerifchen 
Thätigkeit vornehmlich bemüht, noch für den Nachruhm 
der Freunde zu forgen, indem er deren Bildniffe in Kupfer, 
Holzfchnitt oder im Gemälde verewigte. Zum Theile waren 
es wohl ältere Verfprechen, die er {ich beeilte einzuholen, 
bevor es zu fpät war. Zugleich aber hegte Dürer noch 
den Ehrgeiz, in einem letzten grofsen Gemälde Zeugnifs 
zu geben von feinem fortgefchrittenen Gefchmacke und es 
als ein Denkmal feiner patriotifchen und religiöfen Gefinnungen 
der Vaterfiadt zu hinterlaffen. Die Frucht diefes Gedankens 
find die fogenannten wVier Temperamenteß, vollendet im 
Jahre 1526, gegenwärtig in der Pinakothek zu München. 
In diefem Werke ift der ganze MeiPter noch einmal ent- 
halten, fo wie er mit feiner KunPt, feiner Speculation und 
feiner religiöfen Weltanfchauung zum Ziele gelangt war; 
Tbaufing, Dürer. u. 18
        

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