Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1655317
268 
XVI. 
Reformation, 
Ziehung als Kupferftich fteht das Porträt des Erasmus, 
xWClCheS fchöner feine Schriften zeigene, eben fo hoch über 
dem des Melanchthon, als es diefem an Wahrheit, Treue und 
Empfindung nachiteht. Erasmus war höflich genug beim 
Empfange des Bildes die Unähnlichlceit damit zu entfchuldigen, 
dafs er fich eben feit fünf Jahren felbft verändert hätte 1). 
Die Bildniffe Melanchthons und Erasmus fmd zugleich 
die letzten Kupferfticlue Dürers. Wir ftehen überhaupt an 
der Grenze feiner künftlerifchen Thätigkeit. Auch vom 
Holzfchnitte wie vom Gemälde nimmt er gleichzeitig Ab- 
fchied. Wir haben nur noch die letzten Werke auf beiden 
Gebieten 
verzeichnen. 
ZunächPc 
das 
berühmte 
Bildnifs 
des kaiferlichen Rathes Ulrich Varenbüler von I522, das 
gröfste und bedeutendfte Porträt, welches Dürer in Holz- 
fchnitt veröffentlicht hat (B. 155; Heller 1952). Varenbüler 
war ein gelehrter Freund von Erasmus und von Pirkheimer, 
er ward von beiden hoch gefchätzt und in ihrem Briefwechfel 
oft genannt. In fehr fchmeichelhaften Ausdrücken widmet 
ihm Pirkheimer feine Ausgabe von Lucians Dialog: Navis 
et vota. Er war feit I 507 Protonotarins beim Reichskammer- 
gericht und wurde 1531 Kanzleiverwalter diefer Behörde?) 
Er erfcheint bei Dürer im Bruftbilde rechtshin gewandt, 
nahezu im Profil, auf dem heiter trutzigen Haupte das Haar- 
netz und darüber den mächtigen Hut mit breiter, gefchlitzter 
Krämpe. In einer lückenhaften Infchrift erklärt Dürer, wer 
wolle denjenigen, den er einzig lieb habe, auch der Nach- 
welt bekannt machen und damit auszeichnen (r 3). Die fcharfen 
I) Brief vom 30. Juli 1526: Al- 
berto Durero, quam gratiam referre 
queam, cogito, Dignus est aeterna 
memoria. Si minus respondet effigies 
miruPn non est, Non enim sum is, 
qui fui ante annos quinque. 
2) Notizen über Xßxrcnbüler im 
Neuen litterar. Anzeiger, Leipzig 1807, 
SP- 257-260; 338: 438. 
3) Die räthfelhafte Lücke, welche 
ein fenkrechter weifser Streifen in 
die gothifche Schrift des Zettels 
reifst, (lürfte fo zu ergänzen fein: 
vAlbertus Durer Noric(u)s hac ima- 
gine Vlrichum c0gn0m(en)to Varn- 
buler, R0, Ceesarei Regiminis in Im- 
perio a Secretis, simul (aUChigIamma- 
teum, vt quem amet vnice, etiam po- 
steritati (vu1)t cognitum reddere, c(0- 
lerelque conature. Die ausgefallenen 
Buchllaben geben mit geringer Ver- 
letzung: V arenvuollere  alfo nahezu
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.